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damit, dass Strisower nachwie vor an seinemmosaischen Glauben festhielt.
Kelsen suchte dieseWiderstände »dadurch zu überwinden […], dass er auch
denanderenExtraordinarius fürVölkerrecht, BaronHoldvonFerneck«–den
Kelsen inseinerHabilitationsschriftäußerst scharfangegriffenhatte!–»inden
Vorschlag aufnahm. Kelsens Doppelvorschlag wurde schließlich von der Fa-
kultätangenommenundbeidewurdenbalddaraufernannt.«273Dieserfolgtemit
Wirkungvom1.März1922.StrisowerwarzudiesemZeitpunkt schon64Jahre
alt–dieErnennungzumOrdinariuskameinerspätenBelohnungseinerArbeit
gleich. In den folgenden Jahren publizierte er nur wenige Schriften, darunter
einenumfangreichenBeitragüberdieGeschichtedesNeutralitätsgedankensfür
dieZÖR, indemerdiebemerkenswerteThese formulierte,dass es fürgrößere
Staaten unmöglich sei, sich aus internationalen Konflikten herauszuhalten,
kleinere Staaten hingegen dazu angehalten seien, »eine Neutralitätspolitik zu
befolgen, weil sie namentlich stets in Gefahr stehen, den interessierten über-
mächtigen Großmächten entgegenzutreten.«274Konkrete Forderungen für das
kleineÖsterreich,das sich1923 inden»GenferProtokollen«zueinergewissen
Neutralitätspolitikverpflichtethatte, folgerte ernicht.
1927 starb Strisowers Gemahlin Therese; im Jahr darauf erfolgte seine
Emeritierung,dochbliebLeoStrisowerweiterhinakiv. ImHansKelsen-Institut
befindet sichunter denMaterialien zu seiner Person ein Entwurf für einGut-
achtenderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät,dasaufdie6.Session
der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht (1928) Bezug nimmt,
welcheeineinheitlichesKaufrechtschaffenwollte.DiesesGutachtenwurdenach
einerBeratungdurcheineFakultätskommission,bestehendausStrisower, Josef
Hupka,OskarPisko,AlfredVerdrossundGustavWalkerdemJustizministerium
1929vorgelegt.PosthumwurdeesvonM¦tall inderZeitschriftfürausländisches
und internationales Recht veröffentlicht.275 Leo Strisower starb am 6. Jänner
1931auf seinemLandsitz »Friedenswinkel« inKlammamSemmering.276
b) AlexanderHold-Ferneck
Alexander (1900–1919: Freiherr)Hold (von) Ferneckwurde 1875 inWien als
Sohn des gleichnamigenOffiziers und nachmaligenKommandanten des XIV.
Armeekorpsgeboren.Er studierte zunächst anderTheresianischenAkademie,
danach an den Universitäten Wien und Innsbruck; 1899 promovierte er in
273 Métall,Kelsen43.ImAntragvom9.7.1921scheinenVoltelini,Kelsen,Menzel,Sperlund
Spann als Antragsteller auf.ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 607, Inter-
nationalesPrivatrecht,GZ25748-I/1921.
274 Strisower,Neutralitätsgedanke191.
275 Strisower,Das internationalePrivatrechtdesKaufvertrages.
276 Métall, Strisower1.
DiestaatswissenschaftlichenFächer526
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik