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dentliche Lehrkanzel der Statistik bedeckt.288Auchwar er »Studienleiter des
ErzherzogsMax« und »gehörte zu den Persönlichkeiten, die demKreise der
BeraterdesErzherzogsFerdinandnahestanden.«289SeineLehrverpflichtungan
der UniversitätWien umfasste je vier StundenVölkerrecht und vier Stunden
Rechtsphilosophie; Hold war damit endgültig vom Strafrecht in das interna-
tionaleRecht abgewandert.Graßberger stellt hiezu fest, dassHolds »rechtspo-
litischen Gegenspieler […] froh [waren], in der Erweiterung seiner Lehrbe-
fugnis für das Völkerrecht die Möglichkeit gefunden zu haben, ihn auf ein
ungefährlichesGeleise abzuschieben.«290Dennoch sollte seineStrafrechtskom-
petenz noch einmal vonBedeutungwerden: Als nämlich dieUniversität Prag
Hold auf eine strafrechtlicheLehrkanzel berufenwollte,wehrte dies das k.u.k.
Außenministerium (!) ab, indemesHold ab 1916 ein jährlichesHonorar von
10.800Kronen zuerkannte; begründendwurde ausgeführt, dass das ganz dar-
niederliegende Völkerrecht aufgebaut werden müsse und Hold dafür unver-
zichtbar sei.291
ImJuli1917wechselteHold-Ferneckindask.k.Ministerratspräsidium,woer
die Leitung des neugegründeten Departements für die Verfassungsrevision
übernahm;zuseinenMitarbeiternzählteu.a.derao.ProfessordesStaatsrechts
Rudolf v. Laun. In dieser Position hatteHoldwesentlichenAnteil amZustan-
dekommen des sog. Völkermanifestes Kaiser Karls vom 16.Oktober 1918.292
»Als der Abgeordnete Dr. Karl Renner als ›Staatskanzler‹ in die historischen
Räumeeinzog,erbotichmich,dieVerfassungfürdasverkleinerteÖsterreichzu
entwerfen«, doch dieser lehnte ab und wählte Kelsen zu seinemMitarbeiter,
während die GutachtenHolds, »wenn sie ihm aus politischen Gründen nicht
genehmwaren,unberücksichtigt«blieben.293DerenttäuschteHoldgingauf ein
Semester nachPrag,wo er Strafrecht undRechtsphilosophie lehrte, kehrte je-
doch imWintersemester 1920/21 an die UniversitätWien zurück undwurde
daselbstmit 1.März1922–wiebereitsberichtet–zumordentlichenProfessor
fürVölkerrechtundRechtsphilosophie ernannt.
Etwa umdieselbe Zeit begannHolds Kampf gegen die Pariser Vorortever-
288 Referentenbogen zumKUMEvom18.1. 1912Z54554/1911,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,
Univ.Wien,Karton608,Völkerrecht.
289 NeuesWienerJournalvom23.6. 1934Nr.14578,TA,MappeHold-Ferneck(TP021025).Bei
dengenanntenErzherzögenhandelte es sichumeinerseitsumMaximilianEugen (1895–
1952), einenBruder vonKaiserKarl, andererseitsumFerdinand(1868–1915), einen jün-
gerenBruderdesThronfolgersFranzFerdinand.
290 RolandGrassberger,Hold-Ferneck,Alexander, in:NDBIX(Berlin1972)523 f.
291 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton610,PersonalaktHoldAlexander.
292 DazuRumpler,Völkermanifest 59.
293 Hold-Ferneck, Selbstdarstellung98 f.Vgl.Busch,Staudigl-Ciechowicz, »EinKampf
umsRecht«120.
Völkerrecht 529
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik