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undStaatswissenschaftlichenFakultät,wirkte1932–1934alsSenatorundwurde
1934zumRektorderUniversitätWienernannt. SeineWahlwarErgebnis eines
Kompromisses, zumal sich innerhalbderRechts-undStaatswissenschaftlichen
Fakultät,derdiesmaldasRektoratzufallensollte,sowohlOthmarSpannalsauch
sein Antipode HansMayer um das Amt beworben hatten. Das NeueWiener
Journalvom23. Juni1934berichteteausführlichüberdieseVorgängeundhielt
fest, »daß ein Gelehrter an die Spitze der Almamater gestellt wurde, der die
Gewährdafürbietet, daßdieLeitungderHochschule imkommendenStudien-
jahr in staatsbejahendemSinne geführt werden.«308Dennoch ließ die Bestäti-
gungderWahldurchdasMinisteriumauf sichwarten;möglicherweisewar es
seineNichtmitgliedschaft inderVaterländischenFront,309dieseineBestätigung
verzögerte,wennauchnicht gänzlichverhinderte.310
»WährendderHerrschaftHitlersinÖsterreichveröffentlichteichkeineZeile,
weil ichmichnichteinerZensurierungaussetzenwollte.«311Dochwählteihndie
Akademie der Wissenschaften in Wien 1940 zu ihrem korrespondierenden
Mitglied.ZuEndedesJahres1945wurdeder70jährigeHold-Ferneckemeritiert.
Möglicherweise aufgrund einer unheilbarenKrankheit setzte er am27. Jänner
1955 seinemLebeneinEnde.312
c) AlfredVerdroß-Droßberg
AlfredVerdroß (bis 1919:Edler von)Droßbergwurdeam22.Februar 1890als
SohndesdamaligenLeutnantsundspäterenGeneralsIgnazVerdroßEdlemvon
Droßberg (auch er, sowieAlexanderHold-Ferneck sen., nachmalsKomman-
dantdesXIV.Armeekorps) inInnsbruckgeboren.313NachSchulbesuchinTirol
undWienmaturierte er1908 inBrixen[Bressanone/IT]undstudierte inWien,
MünchenundLausannedieRechtswissenschaften; am9.Mai1913erfolgtedie
PromotionzumJDr. anderUniversitätWien. »BaldnachAbsolvierungmeiner
Studien«, so Verdroß, »lernte ich den damaligen Priv.-Doz. Dr. Hans Kelsen
kennen, dermich inherzlicherWeise zurTeilnahme an seinemPrivatseminar
eingeladen hat.«314Verdroßwurde – nebenAdolf J.Merkl – der bedeutendste
SchülerHansKelsensundmachte sich insbesonderemit seinenBemühungen,
308 NeuesWiener JournalNr.14578, vom23.6. 1934, TAMappeHold-Ferneck (TP021025).
309 SoberichtetedasNeuigkeits-Weltblatt am7.7.1934,Nr.153,S. 1,dass»nurvaterländisch
gesinnteakademischeBehörden […]dieBestätigung[erhalten]«.
310 DieStundeNr.3395vom8.7. 1934,TAMappeHold-Ferneck (TP021025).
311 Hold-Ferneck, Selbstdarstellung102.
312 Busch,Staudigl-Ciechowicz, »EinKampfumsRecht«138.
313 Vgl. allgemein zu seinemLebenslauf Verosta, Verdroß; Verosta,ÖAW; Seidl-Hohen-
veldern,Verdoß; Schartner, Staatsrechtler329–342;Busch,Verdroß.
314 Verdross, Selbstdarstellung201.
Völkerrecht 533
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik