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konstruieren;346Hold berichtet, dass Kunz bei seinemHauptrigorosum zum
Dr.rer.pol. »einen wenig günstigen Eindruck« machte und »besonders Prof.
Grünberg […]erklärte, erwerde sich einerHabilitierungdesKandidaten ent-
schiedenwidersetzen.« Kunz zog daraufhin imFebruar 1921 seineHabilitati-
onsschriftzurück,umÄnderungenvorzunehmen,undreichtesieimJunierneut
ein.»IndieseZeitfielaucheineBewegungunterdenPrivatdozenten,dieaufeine
Erweiterung ihrer Rechte hinarbeiteten. Das hatte zur Folge, dass unter den
Professoren die Ueberzeugung platzgriff [sic], man müsse an Habilitations-
werber fortanhöhereAnforderungen stellen.«347Holdberichtetweiter, dass er
Kunz riet, eine weitere, mehr theoretische Schrift zu publizieren, zumal die
eigentlicheHabilitationsschrifthauptsächlicheineMaterialsammlungsei.Kunz
legte ihmdaraufhindieDruckfahnen für einenAufsatz, der zurPublikation in
derZÖRbestimmtwar,vor,348dieabergeradezudasGegenteilbewirkten:Hold
sprachsichnunentschiedengegeneineHabilitierungKunz’aus.Besonderswar
es aber derArtikel »Belgien«, denKunz für ein völkerrechtliches Lexikonver-
fasste,derHoldnachdesseneigenenWorten»tiefverstimmt[e],undichmachte
ihmkeinHehldaraus,daßdadurchseineHabilitierungsehrerschwertwerde.«349
ImMärz1923batdaherKunzerneutdarum, seinHabilitationsverfahren»vor-
läufig ruhenzu lassen«. 1925erschien endlich seinBuchüberdie »Option« im
Druck,350woraufKunzimFebruar1926einendrittenAnlaufwagteundabermals
die venia fürVölkerrechtbeiderWienerRechts-undStaatswissenschaftlichen
Fakultät beantragte. Imselben Jahr veröffentlichteHold-Ferneck,wieobener-
wähnt,seinegegenKelsengerichteteMonographie»DerStaatalsÜbermensch«;
erwarmittlerweilederschärfsteGegnerderReinenRechtslehre inderFakultät
gewordenundhatte auchdieHabilitationdesKelsen-Schülers Fritz Schreier –
erfolglos–zuverhindernversucht.351Esistdahernichterstaunlich,dassseinmit
4. Juni 1926 datiertes Gutachten in der Habilitationssache Kunz vernichtend
346 Dieausführlichsten, jedochmitVorsicht zuverwertendenQuellen, aufdie sichaber auch
Kammerhofer,Kunz, stützt, sinddieBerichteHold-Fernecksvom24.11.1920undvom
4.6. 1926,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 611, Personalakt Kunz Josef.
347 Bericht von Alexander Hold-Ferneck vom 4.6. 1926,ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton611,PersonalaktKunz Josef.
348 Es istunklar,welchesWerkgemeint ist. InderZÖRerschienenvonKunz in jenerZeitnur
Besprechungsaufsätze,diewohlkaumgemeintseinkönnen,underst1925derAufsatzüber
»Die Entstehungsgeschichte desVölkerbundpaktes«.DerKontextmacht es jedochwahr-
scheinlicher, dass es sichumdieDruckfahnen zuKunz, Völkerrechtswissenschaft, han-
delte,welcheArbeitdannseparatpubliziertwurde,abermöglicherweiseursprünglich für
dieZÖRgeplantwar.
349 Ebd.
350 Eshandelte sichumdenersten,XVI+328Seiten starkenBanddes zweibändigenWerkes
»DievölkerrechtlicheOption«. 1928erschiender zweiteBand,dernocheinmalXVI+356
Seitenumfasste.
351 Sieheoben491f.
DiestaatswissenschaftlichenFächer540
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik