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e) RudolfBlühdorn355
RudolfBlühdornkamam7. Jänner1887inWienzurWelt,woerdasGymnasium
der Theresianischen Akademie absolvierte und Rechts- und Staatswissen-
schaftenstudierte.NachseinerPromotion1910warerbeiderFinanzprokuratur
tätig,machtedieGerichtspraxis und legte 1917diePrüfung zumRechtsanwalt
ab.Ab1921warerimAbrechnungssenatdesFinanzministeriumstätig.Indieser
Stellung oblag ihm unter anderem die Vertretung des österreichischen Bun-
desschatzes indenRechtsstreitigkeiten,dievonAngehörigenderalliiertenund
assoziierten Mächte nach Art. 256 des Vertrages von St. Germain erhoben
wurden.Weiters war er auch beratend im Bereich des Völkerrechts und des
internationalenPrivatrechtstätig.Von1921bis1930warBlühdornHerausgeber
undAutor derZeitschrift »Friedensrecht«, die sichmit derDurchführungdes
Friedensvertrages beschäftigte und die amtlichen Verlautbarungen des Ab-
rechnungsamtesveröffentlichte.ErpubliziertedortzahlreicheArtikelzuFragen
des Friedensvertrages unter anderem zu denwirtschaftlichen Bestimmungen
des Vertrages von St. Germain. 1930 wurde Blühdorn in die Völkerrechtsab-
teilung des Bundeskanzleramts – Auswärtige Angelegenheiten zugeteilt. 1936
suchte Blühdornmit seiner 1934 publizierten Schrift »Einführung in das an-
gewandteVölkerrecht«umdieVerleihungdervenia legendi fürVölkerrechtan.
Blühdornvertrat in seinemWerkdieAnsicht, dass »dasVölkerrecht eigentlich
ein Gelehrtenrecht«356 sei.357 Zu Gutachtern wurden Alexander Hold-Ferneck
und Alfred Verdroß bestellt, die sich für die Habilitierung aussprachen, be-
sonderswurdediePraxisbezogenheit seinerArbeit betont. Blühdornkündigte
lediglich in den nächsten beiden Semestern Lehrveranstaltungen an: So im
Wintersemester1937/38eineeinstündigeVorlesungüberdasNeutralitätsrecht,
mit besonderer Berücksichtigung seiner Entwicklung seit demEndedesWelt-
krieges und imSommersemester 1938 eine Lehrveranstaltung zudenbiologi-
schen,psychologischenundsoziologischenGrundlagendesVölkerrechts.Diese
LehrveranstaltungmussteeraufgrunddesWiderrufsseinervenialegendidurch
die Nationalsozialisten am 22.April 1938 abbrechen.1945 wurde Blühdorn
wiedereingesetzt, ab 1947war er Leiter derVölkerrechtsabteilung desAußen-
amtes.358Erstarb1967.
355 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton609,PersonalaktBlühdornRudolf.
356 Blühdorn, Einführung indasangewandteVölkerrecht169.
357 Vgl. auchFaulenbach, RolleundBedeutungderLehre inderRechtsprechungder Inter-
nationalenGerichtshöfe imzwanzigsten Jahrhundert 39 f.
358 Stourzh,UmEinheit undFreiheit 36Fn55.Vgl. dort auch zurRolleBlühdornsbei den
VerhandlungenüberdievölkerrechtlicheStellungÖsterreichsnach1945.
DiestaatswissenschaftlichenFächer542
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik