Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Recht und Politik
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Seite - 548 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 548 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938

Bild der Seite - 548 -

Bild der Seite - 548 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938

Text der Seite - 548 -

Zu Ende des 19. Jahrhunderts war die an derWiener Rechts- und Staats- wissenschaftlichen Fakultät gelehrte Nationalökonomie zu internationalem Ansehen gekommen und als »Österreichische Schule der Nationalökonomie« durch die baldige Übertragung der Werke ins Englische auch über den deutschsprachigenRaumhinaus bekannt geworden.376CarlMenger und seine beiden Schüler, Friedrich Wieser (1851–1926) sowie Eugen Böhm-Bawerk (1851–1914), hatten die neoklassische beziehungsweise marginalistische Na- tionalökonomie begründet, weil sie die wirtschaftlichen Probleme nicht wie bishermakro-, sondernerstmalsmikroökonomisch,amIndividuumorientiert, untersuchten. Sie entwickelten die sogenannte Grenznutzentheorie, die den Wert der Güter subjektiv durch den Konsumenten bezifferte, was ihnen vor allemmit der Historischen Schule des Berliner Professors Gustav Schmoller einenbeachtlichenMethodenstreit einbrachte. Ihre Blütezeit erlebte dieÖsterreichische Schule der Nationalökonomie in den Jahren vor demErstenWeltkrieg, als das Triumvirat derMenger-Schüler Eugen Böhm-Bawerk und FriedrichWieser sowie Eugen Philippovic´ (1858– 1917),dermit seinemGrundrissderpolitischenÖkonomie (1893)maßgeblich zurVerbreitungvonMengersLehrebeitrug,dieWienerLehrstühlefürPolitische Ökonomiebesetzten.377 In jenerZeit erhieltendie für unserenUntersuchungs- zeitraum relevantenNationalökonomen ihre Ausbildung: Im Seminar Böhm- Bawerks saßenetwaLudwigMises, JosephSchumpeter,HansMayer, aberauch spätere Politiker wieOttoBauer undRudolfHilferding, nicht zuletzt dieWis- senschafterOttoNeurathundEmilLederer. Als EugenBöhm-Bawerk 1914 starb, wurdeCarl Grünberg berufen, der je- doch1923nachFrankfurtging,umdasInstitutfürSozialforschungaufzubauen. DaPhilippovic´ 1917verstarbundWieseremeritierte,warenAnfangder1920er Jahre alle LehrstühlederPolitischenÖkonomievakant geworden,was in einer Zeit der extremenpolitischenLagerbildungundnachAusscheidender Sozial- demokratieausderRegierungeinekonservativeNachbesetzungzurFolgehatte. Auf Grünberg folgte Ferdinand Degenfeld-Schonburg, ein konservativer Ver- treter derHistorischen Schule; auf Philippovic´ folgte Othmar Spann, der das zentrale Argument derÖsterreichischen Schule der Nationalökonomie, den methodischen Individualismus, durch eine neoromantisch-universalistische Ganzheitslehre ersetzte undzudemmehrSozialphilosophalsNationalökonom war.Damitwar anderUniversitätWienmit der individualistischenTradition der Österreichischen Schule gebrochen. Denn auf Wieser folgte zwar sein LieblingsschülerHansMayer,derjedochdieinihngesetztenErwartungennicht 376 Vgl. zumFolgendenNeudeck, EntwicklungderWirtschaftswissenschaften. 377 FriedrichHayek sprachvon jenerDekade vordemKrieg als »theperiodeof the School’s greatest fame«(Hayek, EconomicThought461). DiestaatswissenschaftlichenFächer548
zurück zum  Buch Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938"
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938