Seite - 553 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Carnegie-Institutsüber dieWirtschafts- und Sozialgeschichte desWeltkrieges
vor und fasste mit über 70 Jahren den Plan, seine soziologischen und ge-
schichtsphilosophischen Ideen abschließend darzustellen: »Das Gesetz der
Macht« erschien wenigeWochen vor seinem Tod am 23. Juli 1926. Welchen
EinflussWieserauf seineKollegenundSchülernausübte, gehtnichtzuletzt aus
denzahlreichenNachrufenhervor,389 seinWirken fürdie frühenSozialwissen-
schaftenwurde bei seiner Emeritierungmit der Verleihung des staatswissen-
schaftlichenEhrendiplomsgewürdigt.390
b) CarlGrünberg391
CarlGrünberg, geborenam10.Feber 1861 inFokscham[Focs¸ani/RO], gilt als
einerderVäterdesAustromarxismus.Erhatte1881inCzernowitzmaturiertund
inskribierte im selben Jahr anderUniversitätWienRechtswissenschaften,wo
LorenzvonSteinundAntonMengerseineLehrerwaren.1886wurdeGrünberg
zum JDr. promoviert, studierte aber von 1890 bis 1893 nochmals an derUni-
versität Straßburg beiGeorg FriedrichKnapp.Als StudentKnappswarGrün-
bergzwarkeinTheoretikermehrwiedieVertreterderÖsterreichischenSchule
der Nationalökonomie, jedoch ein bedeutenderWirtschaftshistorikermit In-
teresse für Marxismus und Arbeiterbewegung geworden. Auf Grünberg ging
schließlich nicht nur 1910 die Gründung des »Archivs für die Geschichte des
SozialismusundderArbeiterbewegung« zurück, sondernbereits 1893hatte er
gemeinsammitLujoBrentanoundLudoMoritzHartmanndie »Zeitschrift für
Social- undWirtschaftsgeschichte« ins Leben gerufen, die der sozialwissen-
schaftlichenAuseinandersetzungRaumbot.ZujenerZeitwarGrünbergzudem
in der Wiener Volksbildung aktiv; ab demWintersemester 1890/91 hielt er
Vorträge imVolksbildungsverein.
1892 ließ sich Carl Grünberg taufen und etablierte sich 1893 inWien als
Rechtsanwalt. Ein Jahr später wurde er mit einer Arbeit über die Bauernbe-
freiung für das Fach PolitischeÖkonomie habilitiert und 1899 zum außeror-
dentlichen Professor ernannt. Seit 1909mit einer Titularprofessur fürNeuere
Wirtschaftsgeschichte ausgestattet, bekleidete er abOktober 1912 den gleich-
389 HansMayer schriebüberWieser imRektoratsbericht derWienerUniversität und in der
Zeitschrift fürVolkswirtschaftundSozialpolitik (1927),AdolfMenzel im Jahresberichtder
Wiener Akademie der Wissenschaften (1927) sowie einen eigenen Band; Hayek in den
Jahrbüchern fürNationalökonomieundStatistik (1926); Schams inderZeitschrift fürdie
gesamte Staatswissenschaft (1926) undMorgenstern in derAmerican Economic Review
(1928).
390 Vgl.UAW,M.37.1,Promotionsprotokoll Staatswissenschaft.
391 Vgl.UAW,JPA630sowieÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton610,Personalakt
GrünbergCarl.NäheresbeiNenning, Biographie.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 553
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik