Seite - 566 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Einblick indenuniversitärenAlltag derZwischenkriegszeit gibt: AlsMachlup
Degenfeldbat,seineHabilitationzuunterstützen,solldiesergeantwortethaben,
dasserkeinenjungenJudenhabilitierenkönne. InMachlupsErinnerung lautet
dieBegründungso:»There’sanotherreasonwhyIcannotvoteforyou.TheJews
areprecocious.Withthisprecociousnesstheyappearmuchbrighteratanearlier
age.IfwethenpicktheJewwhoshowspromiseatanearlyage,wewouldreallybe
discriminatingagainsttheAryans, thenon-Jews.And,hence, Icannotvotefora
young Jew.«417
Trotz seines Antisemitismus wurde Ferdinand Degenfeld-Schonburg Ende
August 1938 gemäß §6 derVerordnung zurNeuordnung des Berufsbeamten-
tums418 in den Ruhestand versetzt, vorgeblich wegen Dienstunfähigkeit auf-
grund seiner Verletzungen aus demErstenWeltkrieg, tatsächlich jedoch eher
wegen seines streng katholischen Glaubens. 1945 wurde er wieder in den
Dienststandaufgenommenundübernahm1950,nachHansMayersPensionie-
rung die Leitung des Instituts fürWirtschaftswissenschaften. Kurz vor seiner
Emeritierung verstarbDegenfeld-Schonburg am11.März 1952 inWien. Seine
Nachfolge tratTheodorPütz an.
k) ErnstLagler419
ErnstLagler,geborenam14.Dezember1903inMödlingbeiWienalsSohneines
k.u.k.Offiziers, besuchte von 1909 bis 1913 die Volksschule in Gumpoldskir-
chen, anschließenddasHumanistischeGymnasium inBadenund studierte ab
1922anderUniversitätWienStaatswissenschaften,worineram1. Juli1927mit
der Dissertation »Max Schelers Staats- und Soziallehre« zumDr.rer.pol. pro-
moviert wurde. Ab dem Studienjahr 1927/28 war er Assistent bei Ferdinand
Degenfeld-Schonburg. Auf dessen Auftrag arbeitete er unter anderem an den
Enqueterhebungen über die Vererbungen des ländlichen Gutsbesitzes mit.
LaglerveröffentlichteindenZeitschriften»DasNeueReich,Blätter fürdeutsche
Philosophie« sowie »Ständisches Leben«, was seinNahverhältnis zumSpann-
kreisdokumentierte. ImJahr1930warer für einigeZeit amInstitut fürAgrar-
und Siedlungswesen in Berlin sowie an dessen Zweigstellen in Jena und Kö-
nigsberg tätig. 1935 habilitierte Laglermit einerTheorie der Landwirtschafts-
417 Zit.n.Craver, Emigration24.
418 VO zurNeuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums vom31.5. 1938 dRGBI. I
S. 607.
419 Vgl.UAW, JPA348undSenat S. 304.702. ZubiografischenDetails und insbesondere zur
VertreibungLaglers vonderUniversität aus »politischenGründen« siehe ausführlichdie
nochunveröffentlichtenArbeitenvonAndreasHuber imProjekt»Eliten/dis/kontinuitäten
imWissenschaftsbereich inder II.Republik«.
DiestaatswissenschaftlichenFächer566
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik