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Wicksell426undorientierte sichmehranEugenBöhm-BawerksalsanFriedrich
Wiesers Zweig derÖsterreichischen Schule; Wieser (und dessen Nachfolger
HansMayer) warf er vor, er habe denKern vonMengers Subjektivismus nie
begriffen.427Der außeruniversitäre Erfolg sollte ihm recht geben:Mises’ Kon-
junkturtheoriewarspätestens1928beimTreffendes»Vereins fürSozialpolitik«
imdeutschsprachigenRaumallgemeinanerkanntunddiedritteGenerationder
Österreichischen Schule der Nationalökonomie auf ihrem Höhepunkt ange-
langt.428
Der außerdem zu verzeichnende realpolitische Einfluss der Schule ist mit-
unter imBrotberuf vonLudwigMises begründet: Seit 1909war erMitarbeiter
derHandels- undGewerbekammer und leitete dort bald die Finanzabteilung,
wodurcherinstetenKontaktmitderPolitikkam.AußerdemwardieGruppeum
Mises stets bemüht, auch durch Beiträge in österreichischen Tageszeitungen
EinflussaufdieöffentlicheMeinungzunehmen.FritzMachlupetwaschrieb im
»NeuenWiener Tagblatt« an die 100Mal die Kolumne »ZweiMinutenVolks-
wirtschaft«.429Mises’Tätigkeit inderHandelskammer ist darüberhinausauch
heute nochbekannt,weil er imdortigenBüro stets seinPrivatseminar abhielt
und das 1927 gründete Institut für Konjunkturforschung, das zahlreichen
Nachwuchswissenschafter/innen eineAnstellungsmöglichkeit bot, dort seinen
Sitzhatte.
1934verließLudwigMisesWienundgingnachGenfansInstitutUniversitaire
des Hautes Êtudes, floh 1940 weiter in die USA, wo er ab 1945 an der NYU
GraduateSchoolofBusinessVorlesungenhielt,unteranderemüberSozialismus.
Mises starbam10.Oktober1973 inNewYork.
LudwigMises hinterließ nicht nur ein umfassendes und bis heute vielfach
rezipiertesWerk (u.a. »DieGemeinwirtschaft« [1922], »Liberalismus« [1927],
»Geldwertstabilisierung undKonjunkturpolitik« [1928], »Grundprobleme der
Nationalökonomie« [1933], »Nationalökonomie. Theorie des Handelns und
Wirtschaftens« [1940], »Human Action: A Treatise on Economics« [1949],
»Socialism: An Economic and Sociological Analysis« [1951]), sondern auch
zahlreicheSchülerinnenundSchüler.Diese»Austroliberalen«zählenzurvierten
Generation derÖsterreichischen Schule der Nationalökonomie; zu ihnen ge-
hören insbesondere Friedrich Hayek, Fritz Machlup, Gottfried Haberler, Ri-
chard Strigl, Erich Schiff undMartha Stephanie Hermann. Keiner von ihnen
sollte inÖsterreich einen Lehrstuhl erhalten, obwohl gerade die jungen Pri-
vatdozentenHayekundHaberler ab demWintersemester 1929/30 gemeinsam
426 VorallemWicksell, Interest andPrices.
427 Vgl.Mises, Erinnerungen21;Eberle,Analyse73.
428 Vgl. Janssen,NationalökonomieundNationalsozialismus351 f.
429 Vgl.Klausinger, TwoMinutes.
DiestaatswissenschaftlichenFächer570
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik