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mit Morgenstern »Übungen zur ökonomischen Theorie« respektive »Volks-
wirtschaftlicheÜbungen« hielten, die großen Zulauf erfuhren. Da sie an der
UniversitätWien430keineZukunft sahen, emigrierten siebald:Hayekarbeitete
ab1931anderLondonSchoolofEconomics,Haberlerging1931nachHarvard,
dannnachGenf,Machlup–deranderUniversitätWiennicht einmalmehrdie
Möglichkeit zurHabilitation erhalten hatte – wurde Rockefeller-Stipendiat in
denUSAund inEnglandundnahm1935eineProfessuranderUniversität von
Buffalo an.
Damit wurde der liberale Zweig derÖsterreichischen Schule derNational-
ökonomieab1934(WeggangLudwigMises’ ausWien)anderUniversität nicht
mehr gelehrt. Dies beinhaltet im historischen Rückblick allerdings eine be-
sondere Ironie, zumal sich zahlreicheProtagonistendesAustrofaschismuswie
EngelbertDollfuß,KurtSchuschniggundViktorKienböckinihrerBegründung
autoritärer Maßnahmen auf die Liberalen beriefen: LudwigMises und seine
Schüler hatten stets die unüberwindbaren Diskrepanzen zwischen Sozialge-
setzgebungundKapitalismusbeklagt. InsbesondereinderWirtschaftskriseder
1930er Jahremachten siedeutlich, dassdasProblem ihrerAnsichtnach inder
kurz nachKriegsende vonden Sozialdemokraten eingeführten Politik lag; sie
meinten, in der gegenwärtigenösterreichischenDemokratie sei es unmöglich,
jene liberalenMaßnahmen zu setzen, die es bräuchte, umdie schwereökono-
mischeKrise zuüberwinden.431
ImFolgendenwerden jeneSchüler vonLudwigMisesvorgestellt, die ander
Rechts-undStaatswissenschaftlichenFakultätderUniversitätWienlehrtenoder
–wie imFalleMachlups–zumindestumHabilitierungansuchten.
m) RichardStrigl432
Richard Ritter von Strigl, geboren am 7.Feber 1891 in Rokytzan in Böhmen
[Rokycany/CZ],wurdeam16.März1914anderUniversitätWienzumDoktor
derRechtepromoviert.ErhatteunteranderemdasSeminar vonEugenBöhm-
Bawerk besucht undhabilitierte 1923mit der Schrift »Die ökonomischenKa-
tegorienunddieOrganisationderWirtschaft«.VomWintersemester1923/24bis
zu seinemTod imWintersemester 1942/43 lehrte Strigl schließlich als Privat-
dozent(ab1928mitdemTiteleinesaußerordentlichenProfessors)fürpolitische
Ökonomie anderRechts- undStaatswissenschaftlichenFakultät, las zumBei-
430 AuchösterreichweitundanderenWienerHochschulinstitutionenwurdenin jenenJahren
diewenigenvakantenLehrstühle nicht andieAnhängerMises’, sondern an jeneOthmar
SpannsundFerdinandDegenfeldsvergeben. JosefDobretsbergergingnachGraz,Richard
Kerschagl andieHochschule fürWelthandel.
431 Vgl.Klausinger,Mises toMorgenstern29 f.;Kernbauer,Währungspolitik.
432 UAW,SenatS. 305.76undS.304.1258.
Nationalökonomie& Volkswirtschaftspolitik 571
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik