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o) GottfriedHaberler440
GottfriedHaberler, geborenam20. Juli 1900 inPurkersdorf beiWien, promo-
vierte am 3.März 1923 mit einer Dissertation zur »Dogmengeschichte der
Wechselkurstheorien«beiOthmarSpannundCarlGrünbergzumDr. rer. pol.,
am20.November1925auchnochzumJDr.IndenJahren1927bis1929studierte
ermit einemRockefeller-Stipendium (Förderschiene »Economics«, LSRM) in
denUSA, EnglandundFrankreich. Bei seinerRückkehr habilitierte sichHab-
erler für das Fach der PolitischenÖkonomie und lehrte vomWintersemester
1929/30biszumWintersemester1933alsPrivatdozentunteranderem»Theorie
des internationalen Handels und der Handelspolitik«. Außerdem bot er ge-
meinsam mit Hayek und Morgenstern nationalökonomische Übungen an.
HaberlerwaraußerdemMitgliedderNationalökonomischenGesellschaft.
1934gingGottfriedHaberler fürzweiJahrenachGenf,woerbeimEconomic
IntelligenceServicedesVölkerbundesarbeitete.MitseinemWeggangausWien
entferntesichHaberlervomstriktenAustroliberalismus.Obwohlerallesandere
alsKeynesenianerwar, befürwortete er nununter bestimmtenUmständen in-
terventionistische Politik.441 1936kehrteHaberler nichtmehr nachÖsterreich
zurück, sondern nahm eine Professur an der Universität Harvard bei Joseph
Schumpeter an, wo er bis 1971 lehrte und das ökonomische Konjunkturpha-
senmodellweiterentwickelte. 1950wurdeerzudemersterPräsidentdervonder
UNESCOinitiierten InternationalEconomicAssociation inParis.
NachseinerEmeritierungforschteGottfriedHaberlergemeinsammitseinem
KollegenausWienerTagen, FritzMachlup, als »resident scholar«beimAmeri-
can Enterprise Institute for Public Policy Research.1976 verlieh ihmdieUni-
versitätWiendenTiteleinesEhrensenatorsunderneuerteseinDoktordiplom.442
Haberler verstarb am 6.Mai 1995 inWashingtonD.C. Zu seinen zahlreichen
Bücherngehören»Der internationaleHandel« (1933)überdieGrundlagender
Außenwirtschaftstheorie, »Prosperity and Depression« (1937), eine bis heute
anerkannte Erklärung der Konjunkturzyklen, »Money in the International
Economy«(1965) sowie»EconomicGrowthandStability« (1974).
440 Vgl.UAW,SenatS. 304.418, JRASt51 sowie JPA119.
441 SieheKlausinger:»Haberler–althoughwidely regardedasarepresentativeoftheAustrian
School – had in vital respects dissociated himself from its orthodox views, in particular
fromitsplea fornoninterventionist crisispolicy« (Klausinger,Wilderness647).
442 Vgl.UAW,SenatS. 229.4.8.
DiestaatswissenschaftlichenFächer574
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik