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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Morgensternwar SchülerHansMayers gewesen, der bereits seineDisserta- tion»FragenderVerteilungslehremitbesondererBerücksichtigungderTheorie derGrenzproduktivität« betreuthatte.AlsZweitbegutachter fungierteOthmar Spann, unter dessen erheblichen Einfluss Morgenstern bis zu seinem Aus- landsaufenthalt gestandenhabensoll. Mit seinerRückkehrnachWienwurdeMorgensternnicht nurPrivatdozent an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, sondern vor allemMit- arbeiter am »Institut für Konjunkturforschung« und Schriftleiter der »Zeit- schrift fürNationalökonomie«, die nach derNS-Machtergreifung inDeutsch- land die einzige deutschsprachige Wirtschaftszeitschrift mit internationaler Reputation war. Zudem agierte Morgenstern als Vorstandsmitglied der »Na- tionalökonomischen Gesellschaft« und Ausschussmitglied im »Verein für So- zialpolitik«.NachLudwigMises’WeggangausWien1934wurdeer indennoch verbleibenden Jahren bis zumAnschluss zur zentralen Figur derWiener Na- tionalökonomen.Er, der jahrelangAssistentHansMayers gewesenwar, verab- schiedete sich jedoch zusehends vomAustroliberalismus unddamit auchvon denGrundlagenderÖsterreichischenSchulederNationalökonomie, vorallem weil seine Theorie mit einer Politik des Interventionismus unter Umständen durchaus kompatibel war. Bereits in seinemBuch »Grenzen derWirtschafts- politik« (1934) griff erMises’MethodologieundPraxeologie an.450DennMor- gensternwollteÖkonomieals exakteWissenschaft gemäßdemLogischenEm- pirismus/Positivismus desWiener Kreises betreiben und verstand sowohl Li- beralismusals auchSozialismusals rigideSystemederWirtschaftspolitik. Als Direktor des »Instituts für Konjunkturforschung« erweiterte er dessen Untersuchungsfeld auf mehr aktuell praxisrelevante Analysen, was auch im Zusammenhangmit seiner Tätigkeit als Politikberater der neuen, autoritären Staatsordnung stand: »(T)he Instituteworked as a base forMorgenstern’s ac- tivities as apolicy advisor.«451Erarbeitete zumBeispiel fürdasHandelsminis- terium als Berater in Fragen der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere des Ei- senbahnnetzes, warMitglied der interministeriellen Kommission zurWaren- preisregulierung, repräsentierteÖsterreich bei internationalen Konferenzen, beimVölkerbund etc. Außerdem unterhielt Morgenstern enge Kontakte zum NationalbankpräsidentenViktorKienböck und zuLudwigDraxler, der imFi- nanzministeriumfürdieAusteritätspolitikverantwortlichzeichnete. Den geänderten politischen Verhältnissen angepasst, wurde Morgenstern schließlich1935derTitel einesao.ProfessoranderUniversitätWienverliehen. Somit behielt dieÖsterreichische SchulederNationalökonomie auchwährend bezuschusst undnochals arrivierter Forscher erhielt erRF-Reisestipendien (Vgl. Fleck, TransatlantischeBereicherungen97 f.). 450 Vgl.Morgenstern,Grenzen. 451 Klausinger,Mises toMorgenstern32. DiestaatswissenschaftlichenFächer576
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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