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die damals die Lehre von der Soziologie wahrnahmen, meist aber ohne sich
eingehendmitMethoden-undTheoriebildungzubeschäftigen.Als»Soziologie«
wurdedemnachbeinahe alles bezeichnet,was irgendwie als sozial oder gesell-
schaftlichgedachtwar.DieseEinsicht vermittelt nicht zuletzt dasFachderGe-
sellschaftswissenschaften, deren Lehrende im nächsten Kapitel vorgestellt
werden.
D. Gesellschaftswissenschaft (TamaraEHS)
1. Allgemeines
FürdieStudierendenderRechtewardasFachGesellschaftswissenschaftbiszur
StudienplanreformdesJahres1935nichtvorgesehen.ErstnachderNovellierung
mussten sie im ersten Studienabschnitt eine zweistündige »Einführung in die
Gesellschaftslehre« absolvieren. Im zweiten Studienabschnitt kam eine drei-
stündigeVorlesungüber Sozialpolitik hinzu. Nur diese, nicht aber dieGesell-
schaftswissenschaft, war auchTeil der staatswissenschaftlichenStaatsprüfung.
EbensowardieGesellschaftslehre für die Studierendender Staatswissenschaft
aucherstnachderNovellierungvon1926verankert,nämlichals»eineVorlesung
überGesellschaftslehre (die soziologischenTheorien)«, allerdings hierGegen-
standdes zweitenRigorosumsund zudemeinBereich, der für dasDissertati-
onsthemagewähltwerdenkonnte.
DassdieGesellschaftswissenschaft anderRechts- undStaatswissenschaftli-
chenFakultätdennochsoprominentvertretenwar,hingvorallemmitOthmar
Spannzusammen, der zwar auf einemLehrstuhl fürPolitischeÖkonomie saß,
sich aber in geschickten Verhandlungen ausbedungen hatte, vorwiegend Ge-
sellschaftswissenschaft zu lehren. Spannversammeltebald einenKreisGleich-
gesinnter um sich und habilitierte imVergleichmit anderen Professoren un-
gleich mehr seiner Schüler, sodass die Spann’sche Gesellschaftslehre in der
Ersten Republik dieUniversitätWien dominierte. Jene universitär verankerte
Gesellschaftswissenschaft nach Othmar Spann stand in Konflikt mit anderen
Richtungenwie jenerMaxAdlers und insbesonderemit der sich außeruniver-
sitär entwickelnden, empiriegeleitet arbeitendenSoziologie.
DiestaatswissenschaftlichenFächer580
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik