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turgische Bewegung ist, ist auf dempolitischenGebiet der Faschismus. –Der
deutscheMenschstehtundhandeltunterAutorität,unterFührerschaft,diesich
in Stufung und Gliederung zur Hierarchie aufbaut […] Sagen wir ein rück-
sichtsloses Ja zu dem neuen soziologischen Gebilde des totalen Staates, der
durchausanaloggedacht istdemAufbauderKirche.«493
1933,aberauchschon1932,warderGroßindustrielleFritzThysseninMaria
Laachzugegen.BegeistertvonOthmarSpannsIdeeneinerständischenOrdnung
alsAlternative zur bestehendenKlassengesellschaft fand er sichmit PaulKar-
renbrock, FritzKleinundWalterHeinrich zusammen, um theoretischeVorar-
beit für den Aufbau eines realen Ständestaates zu leisten.494 Ende Mai 1933
gründete Thyssen in Düsseldorf das »Nationalsozialistische Institut für Stän-
dewesen«, dessen LeiterHeinrichwurde.Othmar Spann zumLeiter zu küren,
hätte dem Institutmittlerweile eher geschadet. Dennwährend Spann zu jener
Zeit inÖsterreich wegen der deutschen, nationalsozialistischen Beziehungen
angefeindetwar,wurdeer inDeutschlandwiederumwegenseineskatholischen
Hintergrundes beargwöhnt. Und jedes Urteil, das über Spann gefällt wurde,
betraf auchseineSchüler.
Schon seit seiner Berufung nachWienwar insbesondere die »Arbeiterzei-
tung« gegen Othmar Spann in Stellung gegangen und bezeichnete ihn als
»geistigen Führer der Hakenkreuzler«, dessen Aufgabe es wäre, »zu den Re-
volverkugeln derHakenkreuzler die philosophische Verklärung zu liefern.«495
AufderanderenSeitedistanziertensichauchdieführendenNationalsozialisten
von ihm, etwaAlfredRosenberg. ZumSpann-Kreis gezählt zuwerden, wurde
höchstproblematisch, zuerst imNationalsozialismus, aber–wie etwadasBei-
spiel JakobBaxazeigt–auchnachdemKrieg (inFragenderWiedereinsetzung
an derUniversität), denn: Othmar Spannpflegte zwar seit den späten 1920er
JahrenKontakte zu nationalsozialistischenOrganisationen, galt als intellektu-
eller Führer des Nationalsozialismus an der Universität Wien und war auch
(illegales)MitgliedderNSDAP,496dennochdecktensichnichtallseineAnsichten
mit jenenderNazis. InnerhalbderNSDAPgabesnämlich»Fraktionskämpfe«,
zwischen denen Spannund seine Schüler aufgeriebenwurden.497Einer dieser
Schüler, Eric(h)Voegelin, beschrieb die Ideologie des Spann-Kreises so: »Das
allgemeine Klima unter den Leuten um Spann und denen, die sich von ihm
angezogen fühlten, war geprägt vom Romantizismus und vom deutschen
Idealismus mit einer stark nationalistischen Komponente. Einige von ihnen
493 Herwegen, Ildefons, zit.n.Albert, Benediktinerabtei 84.
494 Vgl.Brakelmann,MitschuldundWiderstand52 ff.
495 Hakenkreuz und Unternehmergeld, in: Arbeiterzeitung vom 7.6. 1925 (SOWIDOK, AK
Wien,Tagblattarchiv,MappeOthmarSpann,Wienbibliothek imRathaus).
496 Vgl. Siegfried,UniversalismusundFaschismus153 f.
497 Vgl.Rathkolb,Rechts-undStaatswissenschaftlicheFakultät 223.
DiestaatswissenschaftlichenFächer588
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik