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Personengelistet:WalterHeinrich,RafaelSpann,RomanHädelmayer,Adalbert
Spann, Erika Spann, TheoHojas, KarlWinkler, Franz Seuchter, Otto Brandl,
HansRiehlundWalterRiehl; darüberhinausnochWilhelmAndreaeundKarl
Hugelmann.DieanderenSpann-SchülerBaxa,Knoll,SauterundVoegelinwaren
nichtangeführt–vielleicht ,weil sieohnehinvondenWienerKollegenverfolgt
wurden, insbesondere von Hans Mayer, der seit jeher zu Spann in offener
Feindschaft gestandenwar.Mayer ließ es sichnichtnehmen, dieEinschätzung
Gleispachs in einemBrief an Rektor Knoll 1941 noch zu präzisieren: »In der
Anlage beehre ichmich, die telefonisch besprochene kurze Information über
Spannzuübermitteln[…]MitdemEmporkommenderchristlichsozialenPartei
inÖsterreichwendetesichSpann[…]dempolitischenKatholizismuszu.Er tat
diesallerdingsgeschicktgetarnt.InnationalenKreise[…]gabersichlangeZeit
als national, allerdings war es ein eigenartiger Nationalismus, der sich in ro-
mantisch-mystischen Phraseologien erschöpfte und jede rassenmäßige Be-
gründungscharfablehnte.«WeitersmonierteMayerSpannsWertschätzungder
Philosophie Hegels und katholischer Sozialpolitiker wie Vogelsang sowie des
ÖkonomenAdamMüller,der lautHeinrichvonSrbikvonder»geschichtlichen
Uneignung Deutschlands zum Einheitsstaate« überzeugt sei. Mayer meinte,
»dass Spann vom Nationalsozialismus als der ›Philosoph des christlichen
Ständestaates‹ scharf abgelehnt werdenmuss« und verwies auf eine Rede des
Reichsorganisationsleiters Robert Ley aus dem Jahr 1937, als dieser äußerte:
»SpannisteinRömlingimDienstedespolitischenKatholizismus[…]Esistdie
Sprache des Bolschewismus und des Juden, die Sprache des Jesuiten.« Zum
Spann-Kreisgezähltzuwerden,kamsomiteiner»Sippenhaftung«gleich,504wie
aufden folgendenSeiten andenBeispielender ausderRechts- undStaatswis-
senschaftlichenFakultät hervorgegangenSpann-Schüler zuzeigen seinwird:
3. DerSpann-Kreis
Othmar Spann schloss bereits während seiner Zeit in der k. k. Statistischen
ZentralkommissionundbeimWissenschaftlichenKomitee fürKriegswirtschaft
des Kriegsministeriums zahlreiche Bekanntschaften (zum Beispiel mit den
Statistikern Felix Klezl und WilhelmWinkler), mit denen er später an der
Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät zusammenarbeitete und deren
Karrieren er förderte. DerAufbau des SpannschenNetzwerkes erfolgte schon
vordemErstenWeltkrieginWienunddersogenannteSpann-Kreisistdemnach
vielweiterzuziehenalsbislangangenommen.RichtighatFleckdieStärkedieses
Kreises erkannt, die zu allererst in derQuantität lag: »Othmar Spannpromo-
504 Vgl.Rathkolb,Rechts-undStaatswissenschaftlicheFakultät 223.
DiestaatswissenschaftlichenFächer590
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik