Seite - 594 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 594 -
Text der Seite - 594 -
sprochen hatte, verfasste imMai 1948 ein geradezu vernichtendes Gutachten
über die Schriften Baxas (»unklar«, »völlig unempirisch«, »unsystematisch«,
»fastwörtlicheAbschriftausdenWerkender›Romantiker‹«,»höchsteinseitig«,
»wissenschaftlich wertlos«, »sachlich vollkommen verfehlt«, »frei erfunden,
unsinnig«) und endete mit denWorten: »Angesichts des eben geschilderten
Charaktersder soziologischenArbeitenBAXASunddernotorischenTatsache,
dassdiese in idealistischemGewande auftretendenLehren erheblichdazubei-
trugen, gerade in den Jahren vor derMachtergreifung durch denNationalso-
zialismusromantischeVerwirrungstattwissenschaftlicherKlarheit indieKöpfe
der Studierenden zu bringen, kann ich denBedarf der Fakultät an derartigen
Vorlesungen, wie sieDr. BAXAzu halten in der Lagewäre – neben der Lehr-
tätigkeit der Dozenten Dr. KNOLL und SCHIENERL – nicht als gegeben er-
achten.«516
Einstweilen teilte dasMagistratischeBezirksamt für denXXIV.BezirkBaxa
mit, dass er zum Personenkreis des §17 Abs. 3 Verbotsgesetz gehöre, also
minderbelastet, seine Sühnepflicht mittlerweile beendet sei.517 Die NSDAP-
Mitgliedschaft stand Baxa bei derWiedereinsetzung an der UniversitätWien
demnachnichtmehrimWege,wohlaberdieTatsache,dasserzumengstenKreis
umOthmarSpanngehörthatte.AusschlagendfürseineNichtwiedereinsetzung
dürfte jedochletztlichseineigenerVerzichtaufgrundderschwerenErkrankung
seinerEhefraugewesen sein.Offiziellwurde JakobBaxa jedenfallswegeneines
im ErstenWeltkrieg bei einerMinenexplosion erlittenen Gehörschadens, der
späterzurErtaubung führte,nichtwiedereingesetztundausdemselbenGrund
auchbeiderDürnkruterZuckerfabrikindenRuhestandversetzt.Fortanpflegte
er seine infolge einesSchlaganfallsbettlägrigeEhefrauund lebtebis zu seinem
Tode am 10.November 1979 als Dichter und Mitverwalter des Spannschen
geistigen Erbes in Maria Enzersdorf, wo seine Beisetzung auf dem von ihm
mitinitiierten»Romantiker-Friedhof« stattfand.Ebendort ist auchseinVorbild
AdamHeinrichMüller (1779–1829)begraben.
c) WalterHeinrich518
WalterAdolf FranzHeinrich519, geboren am11. Juli 1902 inHaida inBöhmen
[Novy´Bor/CZ], studierte ab1921StaatswissenschaftenanderDeutschenUni-
hobenenPersonals) gehört; ebensowieAlfredVerdroß,HansPlanitz,RudolfKöstlerund
WilhelmWinkler (vgl.UAW, JCur239);WinklerwarVorsitzender (UAW, JPA433).
516 Brief vonHansMayerandasBMUvom8.5. 1948,UAW, JPA281.
517 BriefdesMagistratischenBezirksamts fürdenXXIV.BezirkanJakobBaxavom3.1. 1949,
UAW, JPA281.
518 ZudenfolgendenDatensieheUAW,JPA319, JRASt246,SenatS. 304.463sowieMüller,
BiografieWalterHeinrich.
519 PublikationenauchunterdemPseudonymReinaldDassel.
DiestaatswissenschaftlichenFächer594
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik