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logie, verfassteaberaucheinManuskriptüber»DieFinanzpolitikUngarns seit
demUmsturz 1918bis zumJahre 1925«.530Ab1926 veröffentlichteKnoll zahl-
reiche Beiträge zum sozialen Christentum für die Frankfurter Zeitschrift
»Volkswohl« und wandte sich spätestens 1928 der Beschäftigung mit seiner
Habilitationsschrift über »Das Zinsproblem in der Scholastik« zu.531Hierfür
suchte Knoll die volkswirtschaftlichen Seminare von Ferdinand Degenfeld-
Schonburg auf, wobei 1931 eine Studie über »Karl von Vogelsang und der
Ständegedanke«entstand.Knollgibt imLebenslauffürseinHabilitationsgesuch
außerdeman, dass er ab Juni 1931 als Privatassistent Ignaz Seipels an dessen
»literarischen Plänen«mitarbeitete.532Als solcher veröffentlichte er 1932 die
Schrift »Der sozialeGedanke immodernenKatholizismus«.
1933reichteAugustMariaKnollseinHabilitationsgesuchein.DieProfessoren
Mayer, Degenfeld undZehentbauer sprachen sich in ihrenGutachten fürKnoll
aus; einzig der Kirchenrechtswissenschafter Rudolf Köstler533 beurteilte die
SchriftmangelsNeuwert undmethodischerMängelungünstig, erklärte sie aber
letztlichdennoch für genügend.534Schließlich lehrteKnoll vomWintersemester
1934/35biszumWintersemester1937/38SozialphilosophieundlaszumBeispiel
eine»GeschichtederberufsständischenOrdnung«,»DieSozialphilosophie Ignaz
Seipls«oder»Einführung indiechristlicheSozialphilosophie«.
ImHauptberufwarAugustMariaKnollvonMai1934bis1938Chefredakteur
der Wiener Tageszeitung »Das Kleine Blatt«. 1938 wurde er aus politischen
Gründen–Mikl-Horkebezeichnet ihnals »Linkskatholiken«535–vonderUni-
versität entlassen, seine »Lehrbefugnis hat bis auf weiteres zu ruhen«. 1946
wurdeerwieder eingestellt undzwarals außerordentlicherUniversitätsprofes-
sor für Religionssoziologe, ab 1950 als Ordinarius für Soziologie. Gemeinsam
mit Ernst Karl Winter beherrschte Knoll die Wiener Soziologie der Nach-
kriegsjahre,»oderandersausgedrückt:Dieswaralles,wasvonderSoziologie in
Österreich nach dem Nationalsozialismus und dem Krieg übriggeblieben
war.«536 August Maria Knoll, Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des
530 Vgl.ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Karton611,PersonalaktKnollAugustMaria.
531 Knoll, Zins.
532 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktKnollAugustMaria.
533 »Zusammenfassendundabschließendmöchte ichsagen:DasvorliegendeBuchstellt eine
eindringlicheundsorgfältigeDetailuntersuchunginderZinsfrageanHandderQuellenund
der einschlägigen Literatur dar. GrundlegendNeues bietet sie nicht viel. [Aufgrund der
methodischenMängel] kann ichmichnicht recht entschliessen, dieHabilitierung zube-
fürworten« (GutachtenKöstler vom21.1. 1934,ÖStAAVA,UnterrichtAllg., Univ.Wien,
Karton611,PersonalaktKnollAugustMaria.).
534 Vgl. BMfU GZ 25362-I-1/1934, ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ. Wien, Karton 611,
PersonalaktKnollAugustMaria.
535 Mikl-Horke, Soziologie98.
536 Ebd.
DiestaatswissenschaftlichenFächer598
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik