Seite - 600 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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alsbalddemKreisumOthmarSpannan–waseraber später,währendderNS-
Herrschaft, stets vehementbestritt.
NachseinerPromotionwarJohannSauterimBrotberufLehreranderWiener
Handelsakademie (heute Vienna Business School), verfasste nebenher aber
zahlreiche Schriftenundkonnte daher imAugust 1927 aufgrund seinerHabi-
litationsschrift »Franz vonBaaders Schriften zurGesellschaftsphilosophie« an
der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät für das FachGesellschafts-
lehre habilitieren. Franz von Baader (1765–1841), der im Fokus von Sauters
Forschung stand, gilt als zentrale Gestalt derMünchner Romantik. Sauter er-
höhte ihngar zum»BegründerderdeutschenNationalökonomie«.
Ab demWintersemester 1927/28 lehrte Johann Sauter als Privatdozent für
Gesellschaftslehreunter anderem»Die soziologischeGrundlagedermodernen
Rechtsphilosophie«. ImJuni1933wurde ihmderTitel einesaußerordentlichen
Universitätsprofessorsverliehen.Wenig später suchte erunterVorlagederHa-
bilitationsschrift »Entwicklung der abendländischen Staatsidee« um Erweite-
rungseinerVeniaaufAllgemeineStaatslehreundRechtsphilosophiean,dieihm
imMärz1934zuteilwurde.
ImMärz 1938 stelltenHold-Ferneck undVerdroß denAntrag, Sauter zum
Ordinarius der Rechtsphilosophie zu ernennen. Doch am 23.April 1938 er-
reichte Dekan Schönbauer eine Weisung, die diese Pläne vereitelte: Neben
AdamovichundBartschwurdeinjenerWeisungauchJohannSauternahegelegt,
einGesucheinzubringen, inwelchemerumsofortigeBeurlaubungbitte.Doch
Sauter kam dieser Aufforderung der NS-Herrscher nach »freiwilligem« Lehr-
verzichtnichtnach,weswegen ihmseineLehrbefähigungschlichtwegentzogen
wurde. Die »politischeUnzuverlässigkeit«, dieman ihmvorwarf, gründete in
seiner Bekanntschaft mit Othmar Spann sowie in seinen (als [ehemaliger]
Geistlicher)engenVerbindungenzumKlerusundzuchristlichsozialenKreisen.
Sauter kämpfte in den JahrenderNS-Herrschaft vergeblichumseineWieder-
einsetzung.Am18.März1943warer gar vonderGestapo festgenommenwor-
den, weil er unter dringendemVerdacht stand, »einer reaktionären und geg-
nerisch eingestellten Personengruppe angehört und durch bewusst defaitisti-
sche Äusserungen die Widerstandskraft der inneren Front geschwächt zu
haben.«DiePersonengruppe, vonderderEintrag spricht, umfasstedaskatho-
lisch-konservativeLager.Am1.April 1943wurdeSauterwieder ausderGesta-
po-Haft entlassen.Nach dieserNotiz verliert sich allerdings seine Spur bis zu
jenem Hinweis, der am Rande seines Geburtsbucheintrages handschriftlich
vermerkt, dass er am 12.12.1945 inWinhöring (Landkreis Altötting, Bayern)
verstorben ist.
DiestaatswissenschaftlichenFächer600
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik