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mark amAusgange des 19. Jahrhunderts« (1906), »DieGrundlagender natio-
nalen Bevölkerungsentwicklung Steiermarks« (1906) sowie »Die deutsch-slo-
wenische Sprachgrenze in der Steiermark« (1908) hervorgingen. Hierin the-
matisierte erdie »slawischeGefahr« fürdieHabsburgerMonarchie.556
e) RichardReisch557
Geborenam7.April1866 inWien,besuchteRichardReischdasGymnasiumin
Innsbruckund studierte ab 1884 anderUniversität InnsbruckdieRechte; ein
SemesterverbrachteerauchinWienimSeminarCarlMengers.Am16.Mai1889
wurdeReisch in InnsbruckbeiEugenBöhm-BawerkzumJDr.promoviertund
arbeiteteanschließendzweiJahrelanginderInnsbruckerFinanzprokuratur,bis
er 1891 auf Vermittlung Böhm-Bawerks ins Finanzministerium nach Wien
wechselte. An der Universität Wien erhielt Reisch 1906 mit demWerk »Die
direktenPersonal-SteuerninOesterreich«(1898)seineHabilitationfürdasFach
Finanzrecht; die beidenGutachter waren Eugen Böhm-Bawerk und Friedrich
Wieser. 1914 wurde Reisch der Titel eines ordentlichen Professors verliehen,
1927 seineVenia auf PolitischeÖkonomie erweitert. Für die Erweiterung von
ReischsVeniahatten sichdiebeidenBerichterstatterOthmarSpannundHans
Mayer ausgesprochen, vor allem, weil es für die Studenten von Vorteil wäre,
wenn ein Dozent, der »an hervorragender führender Stelle in der staatlichen
Wirtschaftspolitik« steht, »gewissermassen den Erdgeruch der unmittelbaren
Praxis« vermittelt.558Denn seit 1910warReisch Sektionschef imFinanzminis-
teriumgewesen,schied1914aberausdemStaatsdienstaus.Allerdingswarer in
derDirektionderBoden-Credit-Anstalt tätig, ab1921als derenVizepräsident,
und fungierte 1919/1920 für die Christlichsoziale Partei als Staatssekretär für
Finanzen(d.h.alsFinanzministerderRegierungenRennerIIIundMayrI).Von
1922 bis 1923 war er, ein Vertreter der älteren Schule derÖsterreichischen
Nationalökonomie,dererstePräsidentderÖsterreichischenNationalbankund
bestimmte somaßgeblichdieWährungspolitik.
RichardReisch las imUntersuchungszeitraumzumBeispiel ȆberBilanzen
derAktiengesellschaften« (Sommersemester 1921) und »Grundzüge des kauf-
männischen Buchführungs- und Bilanzwesens« (Wintersemester 1921/22),
später etwa »Kredit- und Notenbankpolitik« (ab 1930 jeweils im Sommerse-
mester). ImSeptember1935wurdeReischauf eigenenAntragdieErstreckung
der Lehrbefugnis über das 70. Lebensjahr hinaus genehmigt. Er verfasste
556 Vgl.Moll, TheGerman-SloveneLanguage208.
557 Vgl. UAWSenat S 304.1034; Personalakt (ÖSTAAVA,Unterricht Allgemein, Univ.Wien,
Karton613);HansKrasensky,ReischRichard, in:ÖBLIX(Wien1988)55 f.
558 Bericht vonOthmarSpannvom2.7. 1927,ÖSTAAVA,UnterrichtAllgemein,Karton613,
PersonalaktReischRichard).
Finanzwissenschaft& Finanzrecht 609
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik