Seite - 615 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 615 -
Text der Seite - 615 -
b) FelixKlezl571
Geborenam21. Juni1885 inWien, legteFelixKlezl Freiherr vonNorberg1903
dieMaturaamGymnasiumderTheresianischenAkademieabundstudiertebis
1907anderUniversitätWiendieRechte(JDr.am6.März1908).Danachtraterin
denStaatsdienstein,diente imErstenWeltkriegundarbeitetebeimBundesamt
fürStatistik.
Große Förderung erfuhr Klezl durch seinen ehemaligen Kollegen bei der
Statistischen Zentralkommission, Othmar Spann; jener hatte bereits 1926 im
ProfessorenkollegiumdenAntrag gestellt, Klezl aufgrunddes in der »Interna-
tionalenRundschauderArbeit« publiziertenArtikels »VomWesender Index-
ziffern« zu habilitieren. Die beiden Gutachter, Hans Mayer und Wilhelm
Winkler,sprachensichgegendieHabilitierungaus.WinklerstützteseineKritik
hauptsächlich auf Gottfried Haberler, der in seinem Buch »Der Sinn der In-
dexzahlen« (1927) Klezls Schrift als »wertlos« und von »vollständiger Un-
kenntnis« bezeichnet.572 Somit wurdeKlezl dieHabilitation verwehrt. Erst als
sich die politischenVerhältnisse an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen
Fakultät zugunsten Spanns und seines Kreises änderten, als AlexanderHold-
Ferneck1929DekanwurdeundMayerdemDrucknachgab,konntesichKlezl–
trotzWinklers negativen Gutachtens – am 8. Juli 1930 für das Fach Statistik
habilitierenundwurdeam15. Juli 1930zumPrivatdozentenernannt.DaHugo
ForcherwenigeTage zuvor verstorbenwar,übernahmKlezl alsbald zahlreiche
Lehrveranstaltungen, etwa»ÖsterreichischeWirtschaft imLichtederStatistik«
im Studienjahr 1930/31 und ab demWintersemester 1931/32 dieHauptvorle-
sung»AllgemeinevergleichendeundösterreichischeStatistik«.Zusätzlichboter
inmanchenSemestern spezielle Lehrveranstaltungenwie»LogikderStatistik«
oder»DieösterreichischeBetriebszählung«an.
In jenen Jahren stand Klezl zudem der »Österreichischen Gesellschaft für
Sozialpolitik«vorunderfuhrweiterhinUnterstützungdurchOthmarSpann,der
etwa seinBuch »Beruf undBetrieb, ihre begrifflicheAbgrenzungund ihreBe-
deutung fürdasStändeproblem«(1934) inderZeitschrift »StändischesLeben«
imDezember 1935 vonWalter Heinrich sehr positiv besprechen ließ, sodass
Klezl am29.Dezember1936derTitel des außerordentlichenProfessors verlie-
henwurde.Auchhiergegenhatte sichWinklerwie schonzuvorbeiKlezlsHa-
bilitierungausgesprochenund sichbei derbetreffendenSitzungdesProfesso-
renkollegiumsam12. Juni 1936derStimmeenthalten.
Am 19.Dezember 1939 ernannte das ReichsministeriumKlezl zumHono-
rarprofessor,alsdieserwährendderNS-HerrschaftalsRegierungsdirektorbeim
571 Vgl.UAWSenatS304.617undJPA334.
572 Vgl.Haberler, Sinn150.
Statistik 615
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik