Seite - 621 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Verhandlungen nach Saint Germain, wo er Abgrenzungsvarianten Deutsch-
österreichszuerrechnenhatte.Von1925biszuseinerEntlassungauspolitischen
Gründen imAugust 1938warWinkler schließlich Leiter der bevölkerungssta-
tistischenAbteilungimBundesamtfürStatistik.IndieserFunktionführteerdie
österreichische Volkszählung von 1934 durch und ließ hierbei erstmals eine
Familienstatistik ausarbeiten, um der Sozialpolitik Daten für die steuerliche
EntlastungkinderreicherFamilienzurVerfügungzustellen.
NebenderTätigkeit alsBeamter erlangteWinklermitderSchrift »DieMes-
sung statistischerMassen aneinander (StatistischeVerhältniszahlen)« im Juni
1921 an der UniversitätWien die Habilitation für Statistik (Gutachter waren
FriedrichWieser undOthmar Spann) undhielt fortan das StatistischeGrenz-
landseminar ab, das sich einer gesamtdeutschen Nationalitätenstatistik re-
spektiveeinerDeutschtumsstatistikwidmete. ImStudienjahr1922/23gründete
erdas Institut für StatistikderMinderheitsvölker, dasdieArbeitendesGrenz-
landseminars institutionalisierensollte.
WinklersEintretenfürdasDeutschtumspiegeltesichauchinseinemEinsatz
für einenAnschlussÖsterreichs anDeutschlandwider. ErwardeshalbVorsit-
zenderdesFachausschusses fürStatistik inderDeutschenArbeitsgemeinschaft
und wandte sich erst nach der nationalsozialistischen Machtergreifung eher
katholisch-nationalen Kreisen zu. 1927 warWinkler Titular-, 1929 wirklicher
außerordentlicher Professor geworden, 1934mit demTitel eines ordentlichen
Professors, jedochnichtOrdinarius; seineStellung imBundesamt für Statistik
behielt er nebenberuflich bei. ImMai 1938wurdeWilhelmWinkler aufgrund
seiner jüdischenFrau, vonder er sichnicht scheiden lassenwollte, indenRu-
hestand versetzt und erst im September 1945 wieder in den Dienststand der
UniversitätWien aufgenommen,mit 1. Jänner 1947 als ordentlicher Professor.
Damit gab esmitWinkler nachmehr als 60 Jahrenwieder einOrdinariat für
Statistik an der Rechts- und StaatswissenschaftlichenUniversitätWien. Nach
seinerEmeritierung1954 lehrte ernochalsHonorarprofessorunderhielt 1966
einesder letztenEhrendoktoratederStaatswissenschaften (Dr. rer. pol. h.c).
Winkler war unter anderemMitglied der Deutschen Statistischen Gesell-
schaft und ab 1926 als Nachfolger FriedrichWiesers ebensoMitglied des In-
ternationalen Statistischen Institutes; weiters gehörte er demVerein für Sozi-
alpolitik an und initiierte die »Statistischen Sprachabende«, die er nach dem
ZweitenWeltkrieg als »ÖsterreichischeGesellschaft für Statistikund Informa-
tik« neu begründete. Er legte damit den Grundstein für das Vollstudium der
Statistik inÖsterreich.
WilhelmWinklersSchriftenverbandentheoretischeundpraktischeStatistik,
wobei er sich während der hier untersuchten Jahre vor 1938 meist bevölke-
rungsstatistischmitNationalitäten-undMinderheitenfragen, insbesonderemit
den deutschsprachigen Minderheiten in den Nachfolgestaaten des Habsbur-
Statistik 621
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik