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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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arbeitete er alsArzt, zunächst imGarnisonsspital in Linz, ab 1902 amWiener FranzJosefs-SpitalundseitHerbst1903alsAssistentvonRolandGraßbergeram WienerHygieneinstitut.606Außerdembelegte er 1904postdoktorale Studien in ChemieanderUniversität vonStraßburg.Habilitiert imAugust1910,wurdeer am25. Jänner 1914 zumaußerordentlichenProfessor fürHygiene anderUni- versitätWienernannt;1923übernahmerdasSeminarfürSozialeMedizin.Hatte sichReichel vor 1920 vor allemmit Bakteriologie undDesinfektionslehre be- schäftigt, sowidmete er sich in der Zwischenkriegszeit vermehrt der sozialen Hygiene,RassenbiologieundFamilienforschung. Inder schlechtenwirtschaft- lichen und politischen Situation der jungen Republik erblickte Reichel die Proletarisierung der Akademiker, Zunahme der Frauenerwerbsarbeit, Woh- nungsnot undVerkümmerung des Familienlebens, weshalb er zu sozialpoliti- schemHandeln alarmiert war. Er hielt in seiner Sorge um die Erhaltung der FamilieVorträge in gesundheits- und sozialpolitischenVereinen, beklagte die geringeFortpflanzungsrate der erblichBevorzugtenunderklärte Empfängnis- verhütungundFrauenerwerbsarbeit zur »Seuche«.DaReichel zufolgeRassen- hygienezumMittelpunktder»kollektivenFürsorge«werdensollte,engagierteer sich in der 1917 gegründeten »Österreichischen Gesellschaft für Bevölke- rungspolitik und Fürsorgewesen«, in deren Vorstand er 1919 aufgenommen wurde. Seinempolitischen Impetus gemäßwirkte er nicht nur anderMedizi- nischen Fakultät, sondernunterrichtete auch Fürsorgerinnen,Amtsärzte, Stu- dierende imRahmender Turnlehrerausbildungundnicht zuletzt Studierende derRechte. ImRahmendes StudiumsderRechtswissenschaften lehrteReichel »soziale Hygiene«. DiesesWissenschaftsgebiet untersuchte ursprünglich die Einflüsse der natürlichenund sozialenUmwelt (Wasser, Luft, Ernährung,Wohnverhält- nisseetc.)aufdiemenschlicheGesundheit; insbesonderewurdeGesundheitals wirtschaftlichesGut verstanden, weswegen es diese zu heben galt. Die Sozial- hygienesolltedemnachdenZusammenhangvonGesundheitundsozialerLage nicht nur erforschen, sondern als Präventivmedizin aktiv beeinflussen. Man setztedaher aufdiePropagierungvongesundheitsgerechtemVerhalten.607Rei- chel verstand Sozialhygiene jedoch vorwiegend als Rassenhygiene und erar- beiteteunter anderemeugenischeMaßnahmenkataloge.608 Reichelkonnteab1919anderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät endlichlehren,worumRolandGraßbergerbereits1914angesuchthatte.Damals war der Lehrauftrag aus Geldmangel abgelehnt worden; 1919 schienen diese KostenkeineRolle zu spielen.ReichelsVorträgeanderRechts-undStaatswis- 606 ZumInstitutnäherFlamm,Hundert Jahre. 607 Vgl.Wolf, EugenischeVernunft 133 ff. 608 Vgl.Reichel,Hauptaufgaben. DiestaatswissenschaftlichenFächer632
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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