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20. Juni 1932 abgelegt; sie arbeitete ab Dezember 1932 im Ministerium für
HandelundVerkehr).
2. GustavSeidler612
Gustav Seidler war jener Lehrende der Rechts- und Staatswissenschaftlichen
Fakultät, denmanwie keinen anderenmit demFach Staatsrechnungswissen-
schaftverband.Erhatteals einzigerdieVenia fürdiesesGebiet inneunddamit
bis zu seiner Emeritierung 1929 eineMonopolstellung inder Lehredesselben.
ObwohlWilhelmNeidlnachderÜbernahmevonSeidlersVorlesungendasFach
ohnegrößereUnterbrechungenbisindie1950erJahrevertrat,kamihmniemals
jeneBedeutungzu.
Seidlerwurdeam3.Mai1858inLipnikbeiBiala-BielitzinSchlesien[Bielsko-
Biała/Pl] geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Teschen [Cieszyn,
Cˇesky´ Teˇsˇ
n/Pl] studierte er inWienvon1876 bis 1880Rechtswissenschaften.
DannunterbracherseinStudium,uminParisdenKurs»comptabilit¦publique«
zubelegen, alsodasKomptabilitätsverfahren (Staatshaushaltsrechnung) zu er-
lernen. Am17.Mai 1881wurde Seidler zurück inWien zum JDr. promoviert,
absolvierte die Praxis beimOberlandesgericht undwardanach alsKonzipient
tätig. Am 13.März 1883 wurde er an der Universität Wien für Staatsrech-
nungswissenschafthabilitiertundübernahmdieVorlesungenvonJosefSchrott.
NachdessenTod erlangte Seidler am18. Juli 1888 die Ernennung zumaußer-
ordentlichenProfessor; 1891 suchte erumErweiterung seinerVeniaaufAllge-
meines undÖsterreichisches Staatsrechts an, was vomMinisterium jedoch
abgelehnt wurde. Dennoch hielt Seidler ab 1893 Vorlesungen auch auf dem
Gebiet des Staatsrechts unter besonderer Berücksichtigung des Finanz-
rechts. 1898wurdeer schließlichzumtitular-ordentlichenProfessor, 1918zum
Hofrat ernannt.
SeidlerwusstedieVerrechnungskunde,dasFinanz-undBudgetrechtmitdem
Staats- undVerwaltungsrecht zuverbinden,wie er schon frühetwamit seinen
Schriften»DerStaatsrechnungshofÖsterreichs« (1884)und»BudgetundBud-
getrecht im Staatshaushalte der constitutionellen Monarchie mit besonderer
RücksichtnahmeaufdasösterreichischeunddeutscheVerfassungsrecht«(1885)
sowie als Mitglied der Kommission zur Förderung der Verwaltungsreform
zeigte. Er galt damit bald über die Grenzen der Universität Wien, ja über
ÖsterreichhinausalsPionierderStaatsrechnungswissenschaft,derdasFachzu
612 Vgl.UAWSenatS304.1183 sowiePersonalakt Seidlers (ÖSTAAVA,UnterrichtAllgemein,
Univ.Wien,Karton614).NäheresauchbeiHubertReitterer, SeidlerGustav in:ÖBLXII
(Wien2005)130 f.
DiestaatswissenschaftlichenFächer636
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik