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müssen, die keineswegs irgendwie Nennenswertes an der Universität leisten
würden.«23
Tatsächlich absolvierten vieleWissenschaftler ihre erste Station als Profes-
soren in Czernowitz. Die von Prokopowitsch24 erstellteÜbersicht zeigt aller-
dings auch deutlich, dass imGegensatz zu denUniversitäten Graz und Inns-
bruck, die zumeist nurals »Sprungbrett« fürdieUniversitätWiendienten, die
Universität in Czernowitz sowohlWissenschaftler mit Ambitionen auf Lehr-
kanzelnandendeutschsprachigenUniversitätenCisleithaniensalsauchsolche,
dieeineKarriereandenUniversitäteninKrakauundLemberganstrebten(auch
wenndiese innurgeringerAnzahlvertretenwaren)25anzog.Einschränkendauf
die juristischeFakultät zeigt sich,dassvoninsgesamt45Professoren26mehrals
einDrittelunmittelbarvorderBerufungnachCzernowitzalsPrivatdozentenan
derUniversitätWien tätigwar.Weiterswurdenvondiesen45 (bzw.wennman
die1919aufgrundderRumänisierungenthobenenbzw. inCzernowitz verblie-
benenProfessorenwegrechnet von32)Professoren28anandereUniversitäten
erfolgreichberufen–diemeistendavonentweder andie (Deutsche)Karl-Fer-
dinands-Universität Prag, an die Karl-Franzens-Universität Graz bzw. an die
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.DiemeistenProfessoren (18)kamen
ausWien. Czernowitz dürfte besonders für »innerösterreichische« Mobilität
interessant gewesen sein, lediglich fünf Personen kamen aus dem deutsch-
sprachigenAusland und lediglich zwei von 28 an andereUniversitätenwech-
selndenProfessorenverließennicht nurCzernowitz sondern auchÖsterreich.
EigenerNachwuchswarebenfallsnichtstarkrepräsentiert:Solehrtenvierder
CzernowitzerProfessorenbereitsdavor inCzernowitz alsPrivatdozenten,hin-
zukommtder 1875 zumProfessor für Zivilprozess ernannteLandesgerichtsrat
Konstantin Tomaszczuk, der sich sehr für die Gründung dieser Universität
23 Kaser, Franz-Josefs-Universität 29.
24 VglProkopowitsch, Franz-Josephs-Universität inCzernowitz.
25 So beispielsweise der Rechtshistoriker Alfred vonHalban, der vor seiner Berufung nach
CzernowitzPrivatdozent inKrakauwarundnachzehnjährigerTätigkeit inCzernowitz1905
denRufnachLembergannahm.VglHalbanAlfred, in:ÖBLII (Wien1958)157.
26 FürdieÜbersichtwurdendieDatenvonProkopowitschherangezogen,einbezogenwurden
nicht die »honorierten Dozenten«, da über sie zu wenig Angaben bzgl Karrierelaufbahn
vorlagen, es handelt sich bei den »honorierten Dozenten« um Basil vonWolan, Johann
Weißmann, JohannBarek, JosefKryspinundFranzLunz.Prokopowitschberücksichtigt in
seinerÜbersichtAchillRappaport nicht, der jedoch imVorlesungsverzeichnisderUniver-
sität Czernowitz als außerordentlicher Professor aufscheint. Vgl. Verzeichnis der öffentli-
chenVorlesungenanderk.k.FranzJosephs-UniversitätSS1912,9.Rappaportgibtinseinem
Lebenslaufan,dassihm1911derTiteleinesaußerordentlichenProfessorsverliehenwurde–
womöglich ergibt sich seine Bezeichnung im Vorlesungsverzeichnis daraus. Zu ihm
vgl. 361f.Weiters gibtProkopowitschan,dass JosefMauczka1915verstorbenwäre,dieser
wurde jedoch 1916 andieDeutscheKarl-Ferdinads-Universität berufen,wo er 1917 starb.
Vgl. Staudigl-Ciechowicz,Universitätenum1918mwN.
DieFranz Josef-Universität inCzernowitz 647
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik