Seite - 649 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 649 -
Text der Seite - 649 -
Ein besonders hartes Schicksal traf die Czernowitzer Professoren nach dem
ErstenWeltkrieg, alsdieUniversität nichtmehraufösterreichischenBoden lag
und es zu einer Rumänisierung der Universität kam. Bereits zu Beginn des
ErstenWeltkriegesmusste inCzernowitzderUnterrichtunterbrochenwerden,
da die Stadt von russischen Truppen besetzt wurde. Dies führte zu demVor-
schlag,dieUniversitätCzernowitz–bzw.diejuristischeunddiephilosophische,
nicht jedochdie griechisch-orientalische Fakultät – vorübergehendnachSalz-
burg zu verlegen. Salzburg, wo schon 1622–1810 eine Universität bestanden
hatte, bemühte sich schon seit Jahrzehnten um die (Wieder)Eröffnung einer
Universitätundhatte32–sodieProponenten–entsprechendeRessourcenumdie
zweiFakultätenzubeherbergen.DieIdeestieß1914aufwenigWiderhall,wurde
jedochzwei Jahrespäter, alsdieCzernowitzerUniversität abermalsnacheinem
unvollständigen Semester wegen russischer Besetzung der Stadt ihre Tore
sperrenmusste, erneut präsentiert. ZweiArtikel in der Zeitschrift »Deutscher
Hochschulwart« erläutertendiePlänenäher33und führten inweitererFolge zu
heftigen Diskussionen. ZumAutor dieser Artikel war zunächst nur bekannt,
dass es ein anonymer »Gewährsmann«war –Prokopowitsch führte in seinem
1963erschienenArtikeldenBeweis,dassessichbeidenAutorenumdiebeiden
Professoren der Czernowitzer Universität Hans von Frisch (seit 1912 in
Czernowitz)undKurtKaser(seit1914inCzernowitz)handelte.34AlsArgument
für die Verlegung brachten die Artikel, »daß die Deutsche Universität in
Czernowitz vielmehr, so sonderbar dies auch auf den ersten Blick erscheint,
nicht deutsch, sondern antideutschwirkt«35undbetonten, dass selbst die Stu-
dierenden,dieals»deutsch«aufscheinen,mehrheitlichnicht»deutsch«sondern
»jüdisch« seien, da sich die Einteilung auf die Muttersprache und nicht die
Nationalitätbeziehe.EinweiteresArgumentgegendieBelassungderUniversität
wurde in der schlechten Vorbildung der Studierenden gesehen – die Artikel
äußerten sich abschätzend über die Bevölkerung Bukowinas, so heißt es im
erstenBeitrag: »Das sozialeNiveau, ausdemdie Studenten größtenteils stam-
TraversaEduard. Traversa »kannteundbenützte« lautAussagedesGutachtersVoltelini in
seinerHabilitationsschrift»DasFriaulischeParlament«aus1911dasWerkvonPierSilverio
Leicht »Il parlamento della patria del Friuli«, das er aber »außer in seinemLiteraturver-
zeichnis sonst nie angeführt« hatte: OswaldRedlich anBMU, 19.7. 1921,ÖStAAVA,Un-
terrichtAllg.,Univ.Wien,Karton614,PersonalaktTraversaEduard.
32 Vgl.dazuOrtner,Universität inSalzburg.
33 VerlegungderFranz-Josefs-Universität; ZurSalzburgerUniversitätsfrage.
34 Prokopowitsch, KampfumdieVerlegung31 f. Erwies auf die sich imBestandderUni-
versitätsbibliothekbefindlichenManuskriptederArtikelhin:»DieVerlegungderk.k.Franz
Josefs-Universität von Czernowitz nach Salzburg« gezeichnet Hans von Frisch und Kurt
Kaser, sowie »Zur Salzburger Universitätsfrage« gezeichnetHans von Frisch. BeideMau-
skripte sind den entsprechenden Ausgaben des Deutschen Hochschulwart angefügt (Si-
gnatur:UBWienII-421.543/13.1917).
35 ZurSalzburgerUniversitätsfrage2.
DieFranz Josef-Universität inCzernowitz 649
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik