Seite - 651 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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sämtliche Professoren zu übernehmen (sie hatten ja keinen Ersatz!), nur
mußtensieabHerbst1919rumänischvortragen.41VierderProfessorenmachten
von diesem Angebot Gebrauch, die übrigen, darunter mein Vater, verließen
Czernowitzam6.9. 1919mit einemgemeinsamenTransport.HalbCzernowitz
begleitete die scheidendenProfessoren zumBahnhofund säumtewinkendauf
eine langeStreckedenBahndamm.«42AnderRechts-undStaatswissenschaftli-
chen Fakultät verloren diemeisten Professoren nicht nur ihre gesicherte be-
ruflichePosition, sondernauch ihrLebensumfeld –denndiewenigstenwaren
bereit (und wohl auch im Stande) ihre Lehrveranstaltungen in rumänischer
Sprache abzuhalten. Von den vierzehn Professoren der Juristischen Fakultät
konntenlediglichFriedrichMeyer,außerordentlicherProfessorfürGerichtliche
Medizin,undKonstantinRittervonIsopescul-Grecul,ordentlicherProfessorfür
StrafrechtundStrafprozess, ihreTätigkeit nach1919 inCzernowitz fortsetzen.
In Czernowitz enthobenwurden hingegen: Die Professoren Julius Ritter Ro-
schmann von Hörburg, Karl Adler, Ferdinand Kogler, Eugen Ehrlich, Georg
Petschek,HansvonFrisch,PaulLeder,AdolfLast,AlfredAmonn,KarlWolffund
LeonidasPitamic sowiederhonorierteDozentFranzLunz.
Während die Universität in Czernowitz bislang als Sprungbrett für andere
(vorallem)cisleithanischeUniversitäten,alsaussichtsreichePositionfürweitere
Berufungengalt,43gestaltete sichdie Suchenacheiner passendenStelle fürdie
enthobenen Professoren schwierig. Ihre Situation schildert das Schreiben des
UnterstaatssekretärsfürUnterrichtOttoGlöckelanalleDekanatederweltlichen
Fakultäten sämtlicher deutschösterreichischer Universitäten, ferner an die
RektoratederTechnischenHochschulen inWienundGraz,derHochschule für
Bodenkultur undderTierärztlichenHochschule inWienvom Juni 1919: »Die
genanntenPersonen,welche sonachmit demerwähntenZeitpunkte ihrer bis-
herigenLebensstellungverlustig gehen, strebennungestützt aufdenBeschluß
des d.ö. Staatsrates vom 11.November 1918, wonach sich der Staat Deutsch-
österreichvorbehaltenhat, das gesamte zurCzernowitzerUniversität gehörige
Personal deutscher Nationalität in den deutschösterreichischen Staat aufzu-
41 LautUray hatten sie innerhalb von zwei Jahren – somitmitWintersemester 1921/22 ihre
Lehrveranstaltungen auf Rumänisch zu halten. Beide geben keineQuellen für ihre Infor-
mationen an.Uray, Czernowitz – Salzburg 77. LautHans Frischwar es, wie auchHedda
Wolff schrieb,dasWintersemester1919/20.Vgl. Staudigl-Ciechowicz,Universitätenum
1918.
42 Brief vonHeddaWolff anManfredRehbinder vom8.1. 1963, abgedruckt in:Rehbinder,
EugenEhrlich409 f.
43 Von 45 Professoren (nicht mitgerechnet wurden die Professoren für Staats- und Rech-
nungswissenschaft und Basil vonWolan vgl. auch 647 Fn.26) wurden 28 an andereUni-
versitätenberufen.DerMediander inCzernowitz verbrachtenDauer (berücksichtigtwur-
dendabeidiese28Professoren)beträgt4 Jahre.BeiBerücksichtigungallerProfessorenbis
zumStichjahr1919beträgtderMedian7Jahre.
DieFranz Josef-Universität inCzernowitz 651
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik