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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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lehrtewurde1930zumOrdinariusanderDeutschenUniversitätPragberufen.97 Bereits imHerbst 1933wurdedieBerufungKelsens, der seineStellung inKöln aufgrundseiner jüdischenHerkunft verlorenhatte, erwogen.DekanFritz San- der,dernochinWienmitKelsengebrochenhatteundgegenihnPlagiatvorwürfe erhoben hatte,98 stimmte dagegen, konnte sich jedoch nicht dieMehrheit im Professorenkollegiumsichern.DieAngelegenheitzogsich jahrelang,bisKelsen schließlich im Oktober 1936 seine knapp zweijährige Lehrtätigkeit an der Deutschen Universität Prag aufnehmen konnte – seine Prager Zeit war über- schattet vonantisemitischenAktionenseitensdernationalistischenStudieren- den.99 Lediglich ein kurzes Zwischenspiel an der Deutschen Universität legte 1920 Alexander Hold-Ferneck ein, der ein Semester lang die Lehrkanzel für Strafrecht supplierte.100 Bemerkenswert ist die in Prag begonnene wissenschaftliche Karriere von SibylleBolla-Kotek. SiekamalsTochterdesungarischenAdeligenGedeonvon Bolla1913 inPreßburg [Bratislava/SK]zurWelt,101 studierteanderDeutschen Universität in Prag Rechts- und Staatswissenschaften und promovierte 1935. DreiJahrespäterhabilitiertesiesichmitderUnterstützungvonEgonWeissund Leopold Wenger mit der Schrift »Die Entwicklung des Fiskus zum Privat- rechtssubjektmitBeiträgenzurLehrevomaerarium«fürRömischesRechtund Antike Rechtsgeschichte an der Deutschen Universität in Prag – als eine der ersten habilitierten Rechtswissenschaftlerinnen im deutschsprachigen Raum. ImFebruar1944wurdesiezuraußerplanmäßigenProfessorinanderDeutschen Universität ernannt, 1947habilitierte sie sich inWien,wurdezwei Jahre später zuraußerordentlichenProfessorinund1958schließlich–alsersteFrauaneiner österreichischenjuristischenFakultät–zurordentlichenProfessorinernannt.102 DieTätigkeit anderDeutschenPragerUniversität brachtenachdemZerfall der Habsburgermonarchie freilich neueHerausforderungenmit sich – so er- innertesichLudwigAdamovich1955 inseinerSelbstdarstellung:»Die fürmich vollkommen neuen Probleme, die die tschechoslowakische Rechtsordnung, insbesondereaufdemschwierigenGebietdesNationalitätenrechtsbot, forder- tenAnspannungallerKräfte,daichdieVorlesungenüberdasGesamtgebietdes tschechoslowakischenVerfassungs- undVerfassungsrechts sofort zuüberneh- 97 ZuSanderundKelsenvgl.Olechowski, Busch,DeutscheUniversitätPrag. 98 Vgl. dazu85f. 99 Vgl. ausführlich Olechowski, Busch, Deutsche Universität Prag 1122 ff; Ein weiteres Beispiel antisemitischerAktionen an derDeutschenUniversität Pragwarendie Proteste gegendenRektorSamuelSteinherz, vgl. dazuOberkofler,Vorposten2 ff. 100 Schreiben des Ministeriums vom 12.4. 1920, UA Prag, Bestand Deutsche Universität / JuristischeFakultät, Lehrkanzel fürStrafrecht. 101 Vgl.Berger, SibylleBolla-Kotek;Frühwirth, SibylleBolla-Kotek. 102 Berger, SibylleBolla-Kotek83. DieDeutscheUniversitätPrag 661
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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