Seite - 691 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 691 -
Text der Seite - 691 -
Mataja,derinsgesamtvierMalvorgeschlagenwurde,schafftendenEinzugindie
Akademie nicht. Die Wahlvorschläge der Rechtshistoriker zeigen eine weite
fachlicheStreuung: SowurdennichtnurFachkollegenvorgeschlagen, sondern
auchHistoriker undRechtsdogmatiker.Auffallend ist, dass der aus Innsbruck
stammende Hans Voltelini, der insgesamt 32Wahlvorschläge (20 Personen)
machte, fünf Innsbrucker Gelehrte21 in achtWahlvorschlägen zuMitgliedern
vorschlug. Fachlich gehörtenVoltelinis Kandidaten großteils den rechtshisto-
rischenundhistorischenFächern an, die einzigen zwei »Ausreißer«warendie
StrafrechtlerCarl StoossundWenzelGleispach.22
KeineVorschlägeerstattetenPaulJörs,MaxLayerundCarlStooss.Allerdings
müssenbeiderAnalyseweitereAspektebeachtetwerden: So starbenPaul Jörs
undMaxLayer wenige Jahre nach ihrer Ernennung zumwirklichenMitglied.
Wenzel Gleispach, seit 1928 wirkliches Mitglied der Akademie der Wissen-
schaften inWien, lebte seit Dezember 1933 in Deutschland und hatte somit
zwischen 1934 und 1938 den Status eines korrespondierenden Mitglieds im
AuslandunddadurchkeinVorschlagsrecht.Trotzdemverwundertseinegeringe
AnteilnahmeandenGeschäftenderAkademie, imGegensatz zu seinem(poli-
tischen) Engagement an derUniversitätWien.DerWahlvorschlagGleispachs,
der von Alfons Dopsch unterstützt wurde, sollte Othmar Spann zum korre-
spondiertenMitgliedderAkademieverhelfen.DerersteVersuch1932scheiterte
zwar, 1933 wurde derWahlvorschlag jedoch abermals eingebracht und hatte
Erfolg. Auffallend ist, dass als zweites den Wahlvorschlag unterstützendes
wirklichesMitgliedAlfonsDopschundnichtder fachlichnäherstehendeAdolf
Menzelaufscheint.AuspolitischerSichtverwunderndieAntragstellerallerdings
nicht:SowohlDopschalsauchGleispachundauchSpannwarenMitgliederdes
deutschen Klubs. Auch LeopoldWenger war – aufgrund seinermehrmaligen
Universitätswechsel–nichtdurchgehendwirklichesMitgliedderAkademieder
Wissenschaften inWien, ab 1927war er korrespondierendesMitglied imAus-
landundab1935wiederwirklichesMitglied. Seine zehnWahlvorschlägewur-
21 Ludwig Pastor, Harold Steinacker, Otto Stolz, HermannWopfner und AlfredWretschko.
22 Zwarnicht imUntersuchungszeitraum,docherwähnenswert istdasEngagementvonErnst
Schönbauer, der 1939 zum ordentlichen Mitglied gewählt wurde und somit ab diesem
ZeitpunktMitglieder vorschlagenkonnte. SeineVorschlägewaren fachlichbesondersweit
gestreut–erbemühtesichwohlalsDekanderWiener JuridischenFakultät,möglichstviele
ProfessorenseinerFakultätandieAkademiezubringen.Allezehnvonihmvorgeschlagenen
Personenwaren,wennauchnicht immer zumZeitpunktdesWahlvorschlages (sobeiMax
Layer und Karl Gottfried Hugelmann) Lehrende der Wiener Rechts- und Staatswissen-
schaftlichen Fakultät. Diemeisten von ihnenwaren nationalsozialistischer Gesinnung, so
warenvonden zehnPersonen fünfParteimitgliederderNSDAPundeinerParteianwärter.
Parteimitglieder:AdolfGünther,HansKreller,ErichSchwinge,ErnstSwobodaundEmanuel
Vogel; Parteianwärter:AlexanderHold-Ferneck.Vgl. SchreibendesDekansandenRektor
vom4.8. 1945,UAW, JCur239,Z670aus1945.
DieAkademiederWissenschaften inWien 691
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik