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8. SoziologischeGesellschaft
DieWiener SoziologischeGesellschaftwurde am5.Feber 1907unter anderem
vonMaxAdler,RudolfGoldscheid,MichaelHainisch,LudoMoritzHartmann,
WilhelmJerusalem,RosaMayrederundKarlRennerbegründet,dieimInteresse
sozialer Reform darauf hinarbeiten wollten, »für die jungeWissenschaft der
Soziologie, die damalsnochvielfachumstrittenwar, volleAnerkennungzuer-
wirken«23, wie dasPräsidium inden einleitendenWortender ab 1926 erschie-
nenen vereinseigenen Schriftenreihe schrieb. In dieser Reihe veröffentlichten
auchAngehörige der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät Aufsätze,
wiezumBeispielHansKelsen,derauchAusschussmitgliedderGesellschaftwar,
dieSchriftDasProblemdesParlamentarismus.24
Neben der Popularisierung vonWissenmittels der überwiegend aus Vor-
tragsmanuskripten bestehenden Schriftenreihe die unter dem Anspruch er-
schien, »Allgemeinbildung als soziologische Bildung zu fördern, die Einglie-
derung der Soziologie […] an allen Schulen überhaupt zu propagieren, uner-
müdlich derMehrung und Vertiefung jener Kenntnisse und Erkenntnisse zu
dienen,dieniemandentbehrenkann,der imöffentlichenLebenstehtoderder
zum Bewusstsein der gesellschaftlichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten
gelangenwill«25, und es bis zu ihrer baldigen Einstellung 1928 immerhin auf
siebenHefte brachte, wurden außerdembeinahe 200Vortrags- undDiskussi-
onsabende veranstaltet. Dabei sprachen Otto Bauer, Hermann Cohen, Rosa
Mayreder, EugenvonPhilippovich, EmilReich, JosephAlois Schumpeter,Max
Weberundviele andere.
DieWiener SoziologischeGesellschaft liefertewesentliche theoretischeBei-
trägezurSchulreformbewegungundvertratmitNachdruckdieErrichtungvon
Lehrstühlen für Soziologie andenHochschulenunddieEinführung soziologi-
schenUnterrichts andenSchulen. IhrEngagement inderWiener Schulreform
undpersonelleÜberschneidungenmit der SozialdemokratischenPartei ließen
sie als sozialdemokratische Vorfeldorganisation erscheinen, wie Stadler be-
richtet: »In dieser (der Soziologischen Gesellschaft, Anm.) wurden seit 1918
regelmäßig sozialistisch ausgerichtete, pragmatischundwissenschaftlich-welt-
anschauliche Vorträge veranstaltet […] Insofern erfüllte diese Gesellschaft
durchaus die Funktion einer intellektuellen sozialdemokratischen Vorfeld-
organisation.«26
23 PräsidiumderSoziologischenGesellschaft, o.T. 2.
24 Vgl.Kelsen, ProblemdesParlamentarismus.
25 PräsidiumderSoziologischenGesellschaft, o.T. 3.
26 Stadler, Spätaufklärung461.
AkademischeVereineundaußeruniversitärewissenschaftlicheVereinigungen 709
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik