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Beamte,Bankiersundandere inderWirtschaftTätige (wieetwaRichardStrigl,
Ewald Schams,Helene Lieser undKarl Schlesinger), die sich der jüngstenGe-
nerationderÖsterreichischenSchulederNationalökonomiezugehörig fühlten.
In unregelmäßigen Abständen traf sich dieses »bedeutendste wirtschafts-
wissenschaftliche Forum der österreichischen Zwischenkriegszeit«31 im Sit-
zungssaaldesBankenverbandes,denKarlSchlesinger zurVerfügungstellte, zu
Vorträgenmit anschließenderDiskussion. Erster Sekretär derNationalökono-
mischenGesellschaftwarFriedrichHayek, ihmfolgte1931FritzMachlupnach,
der zuvor Kassier gewesenwar.Machlups Aufgabe übernahm ab 1931 Oskar
Morgenstern.
LautMartha Steffy Browne war es »ein großer Vorteil desMises-Privatse-
minarsundderNationalökonomischenGesellschaft, daßmandort sehrhäufig
ausländischeNationalökonomentraf«32.Diese frühen internationalenKontakte
halfen später jenenMises-Schüler/innen, dieÖsterreich in den 1930er Jahren
verlassen mussten, im Ausland beruflich Fuß zu fassen. Hervorzuheben ist
insbesonderederÖkonomLordLionelRobbins, derdurch seineFreundschaft
mitLudwigMisesoftinWienvortrugundschließlichFriedrichHayekzusichan
dieLondonSchool ofEconomicsholte.AußerdembesuchteRobbinsMises im
Frühjahr 1933, als dieser ihmbesorgt von den ersten Entlassungen deutscher
WissenschafterinnenundWissenschafter aufgrunddesnationalsozialistischen
Gesetzes zurWiederherstellung des Berufsbeamtentums erzählte. Lionel Rob-
bins gründete schon imMai 1933gemeinsammitWilliamBeveridgedenAca-
demicAssistanceCouncil, der Juden/Jüdinnenund anderenverfolgtenAkade-
miker/innenhelfendzurSeite stand.
Das faktische Ende der Nationalökonomischen Gesellschaft erfolgte am
18.März 1938 als ihr PräsidentHansMayer perRundschreiben alle jüdischen
Mitglieder entließ. Er hätte stattdessendieGesellschaft einfach schließenkön-
nen, zumaldiewichtigstenMitgliederwieLudwigMisesoderFriedrichHayek
ohnehinbereitsemigriertwarenunddieNationalökonomischeGesellschaftihre
Basisverlorenhatte.33
13. Pädagogisches InstitutderStadtWien34
Bildung stellte zurÜberwindung der dualistischen Gesellschaftsordnung das
Kernthemader Sozialdemokratie dar.Denn inÖsterreichgab es ein Schulsys-
31 Feichtinger,Wissenschaft zwischendenKulturen188.
32 Browne,Mises–Privatseminar115.
33 Vgl.Müller, Idealwelten267; sowieLeube,Diskontinuitäten309.
34 Vgl. Schnell, Pädagogisches Institut.
Extramuros:Vereine,Gesellschaften,KreisundVolksbildung712
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik