Seite - 720 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 720 -
Text der Seite - 720 -
Auskunftsstellen für die inÖsterreich studierendenAusländer/innen ein. Au-
ßerdem gab es einen Austauschdienst, der österreichische Student/innen an
ausländischeUniversitätenvermittelte.
ImVorstandderISLsaßenzahlreicheJuristen,unterihnenTheoWührer,später
Adjutant des Reichssicherheitshauptamtchefs Ernst Kaltenbrunner; einfaches
MitgliedwarzumBeispielFriedrichButschek, späterSA-Scharführer51.
C. WienerVolks-undArbeiterbildung52
1. Allgemeines
DasstaatlicheBildungssystemjener JahrespiegeltegemäßWilhelmWeinhäupl
eine »Gliederungdes gesamtenVolkes in herrschende SchichtenundUnterta-
nen« wider; er erkannte darin die »Fortführung der sozialen Wirklichkeit,
nämlichdieTrennungdesVolkes inRegierendeundRegierte«53.Dochdaneben
(unddagegen) gab es selbstorganisierten Intellekt, wie bürgerliche Lesezirkel,
dieAnfängederArbeiterbildungundvorallemseitdergesetzlichenFreistellung
von1867–welchedieGründung »unpolitischerVereine« unter gewissenUm-
ständen gestattete – auch ein reges Vereinswesen, das dieMonopolansprüche
vonStaatundKircheinSachenBildunginFragestellte.NachdenAnfängenvon
1848,diedurchdenNeoabsolutismusimKeimersticktwordenwaren,stelltedas
Jahr 1867 mit den Staatsgrundgesetzen den take-off für den Aufbau einer
planmäßigenErwachsenenbildungdar.
InWien gab es seit der Jahrhundertwende drei neutrale Bildungsvereine, den
WienerVolksbildungsverein(gegründet1887),dieUrania(gegründet1897)unddas
Volksheim (gegründet 1901, in einemeigenenHaus seit 1905). Andere Bildungs-
vereine waren konfessionell oder parteipolitisch gebundenwie zumBeispiel die
JüdischeVolkshochschuleoderdieArbeiter-Hochschule.WilhelmFillameintüber
dieUnterschiedezwischenallgemeinenVolkshochschulenundmarxistisch-sozia-
listischen Bildungsvereinen: »Die Volkshochschulen verschrieben sich derMas-
senbildung, die Arbeiterbildung konzentrierte sich auf Funktionäre. Die Volks-
hochschulengabensichneutral,dieArbeiterbildungwarparteilich«54.DasZielder
ArbeiterbildungbestanddemnachinderBewusstseinsbildungundderEinübungin
Organisation, war doch die Bildungsfrage zentralerAnknüpfungspunkt allerOr-
ganisationsbestrebungendesProletariats:»DerVereinwaraberfürdieArbeiterdie
51 Vgl.LGLinzVg10Vr3015/48gegenDr.FriedrichButschek,Urteil vom8.2. 1949.
52 ZumfolgendenÜberblick siehebereitsEhs,HansKelsenundpolitischeBildung28 ff.
53 Weinhäupl, Pädagogik49.
54 Filla,Volkshochschularbeit 34.
Extramuros:Vereine,Gesellschaften,KreisundVolksbildung720
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik