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einzigeMöglichkeit,zusammenzukommen,mitdemZiel,sichzuorganisieren,was
für sie eine Existenzfragewar. SonahmderArbeiterbildungsverein zwangsläufig
einenpolitischenCharakteran«,konstatiertGertraudKuchner55.DieVolksbildung
hingegenwandtesichparteifreianalleSchichtenundvermitteltenebenzahlreichen
Hygiene- undSprachkursen auch rechts- und staatswissenschaftliche Inhalte, die
vonLehrendenderWienerRechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät vorge-
tragenwurden.
2. WienerVolksbildungsverein56
Auf einer Initiative von Freimaurern beruhend wurde am 22. Jänner 1887 der
WienerVolksbildungsverein insLebengerufen,dersomitals»KeimzellederWiener
Volkshochschulbewegung«57 angesehenwerdenkann. EigentlicheGründerwaren
der Kunsthistoriker Eduard Leisching, der Industrielle Alexander Peez und der
AbsolventderWienerRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät sowiespätere
BundespräsidentMichaelHainisch.
DerVerein eröffnete indenArbeiterbezirken sogenannteFrei-Lesehallen, i.e.
unentgeltliche Bibliotheken, und veranstaltete Vorträge zu (insbesondere na-
tur-)wissenschaftlichen, hygienischenundallgemein-/berufsbildendenThemen.
AbdemStudienjahr1890/91warenthematischpassendeVorträgeschließlichzu
Unterrichts-Cursenzusammengefasst. 1911wurdeeineigenesVolksbildungshaus
inderStöbergassebezogen,womit aufgrunddernunbestehendenerstklassigen
technischenEinrichtungdieVolksbildungstetigprofessionalisiertwerdenkonnte.
Diewirtschaftlichschwierigenfrühen1920erJahrenveranlasstenjedochauchden
Wiener Volksbildungsverein zur Einschränkung des Angebots. Erst nach der
Währungsreformkonnte die Tätigkeit wieder an dasVorkriegsniveau anschlie-
ßen. In den 1930er Jahren begegnete die Vereinsführung der wachsenden Ar-
beitslosigkeit, indem sie anVormittagen ein breites Programm, bestehend aus
bildendenundunterhaltendenAngeboten fürArbeitslose–die zeitweiseoft die
HälftedesPublikumsausmachten!–einrichtete.
Das austrofaschistische Regime beendete die Eigenständigkeit desWiener
Volksbildungsvereins. Funktionär/innen undDozent/innen, die der SDAPan-
gehörtenoderihrnahestanden,wurdenentfernt,dasVortragsangebotaufKurse
geändert, die zu einer christlich-katholischen und österreichisch-vaterländi-
schenWeltanschauunghinführensollten.MitderEingliederungÖsterreichs in
55 Kuchner,Arbeiterbildung12 f.
56 Vgl. Stifter, Stadterweiterung.
57 Ebd.37.
WienerVolks-undArbeiterbildung 721
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik