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19 einen Kurs über das Recht der Privatversicherung des Städters und Hugo
Forcher sprachamAlsergrundvor27Hörer/innenüberMassenbeobachtungen
imDienste der Staatsverwaltung.WenzelGleispachmachte imHerbst 1919 je-
weils donnerstags amAkademischenGymnasium zehnHörer/innenmit zeit-
gemäßerKriminalpolitikbekannt,RobertBartsch sprachüber Jugendfürsorge,
Friedrich Hawelka über Versicherungsrecht einschließlich Sozialversicherung
(jeweils freitagsamPharmakologischenInstitut inderWähringerStraße),Karl
Brockhausenüber Stadt, LandundGemeinde (jeweils donnerstags imAkade-
mischenGymnasium)undEmanuelAdlermachteimJännerundFeber1920mit
denNeuerungen imArbeitsrecht vertraut (jeweils dienstags in der Staatsreal-
schuleSchopenhauerstraße).
Aufgrundder galoppierenden Inflationwarder Preis für einenVolkstümli-
chenUniversitätskurs imOktober undNovember 1922, als Köstler eine Ein-
führung indieRechtswissenschaft (jeweilsmontags inderVolksheimzweigstelle
Simmering) und Goldmann eine Einführung in dieWirtschaftsgeschichte (je-
weils freitags in der Volksheimzweigstelle Simmering) gab, bereits auf 2.000
Kronen gestiegen. Nur wenige Wochen später, als Braßloff Rechtsfragen des
täglichenLebens erläuterte (jeweilsmontags in derVolksheimzweigstelle Sim-
mering), kostete der Kurs bereits 4.000 Kronen. Die außerordentliche Vor-
tragsreiheWien – sein Bodenund seineGeschichte (eine Ringvorlesung unter
anderemmit Hans Voltelinis Referat über Soziale und Verfassungsgeschichte
Wiens imMittelalter), die von Jännerbis Juni 1923 jeweils anSamstagen statt-
fand, markierte nicht nur aufgrund des Eintrittspreises eine Überraschung
(25.000Kronen), sondernvor allemweil hiermit einVolkstümlicherUniversi-
tätskurs innerhalb derMauern der Universität stattfinden durfte. Der Kleine
FestsaalderUniversitätWienwar fürdieVolksbildunggeöffnetworden.
DieVolkstümlichenUniversitätsvorträgestelltendieeinzigeVolkshochschule
dar, die rechtlich dem Bund zuzuordnen war. Doch aufgrund der sich ver-
schlechterndenWirtschaftslage konnte dieser die Finanzierung der Kurse in
immergeringeremAusmaßsichern. ImWinter1923/24hieltAdolf JuliusMerkl
nochansechsFreitagenamPharmakologischenInstitutdenKursÖsterreichals
Republik und Bundesstaat, doch in den späteren Zwanzigerjahren war an
mehrteilige Kurse nicht mehr zu denken. Da die Vortragenden kaummehr
bezahltwerdenkonnten,botmanfastnurnochEinzelvorträgean.Soreferierten
etwa Karl Gottfried Hugelmann undWenzel Gleispach an einem Abend im
Dezember 1928 über Das deutsche Recht beziehungsweise über Die Straf-
rechtsreform imDeutschen Reich und inÖsterreich, wofür sie bei einemEin-
trittspreis von 5 Groschen jeweils 25 Schilling Honorar erhielten. Außerdem
wurdedasProgrammvonKursenaufVortragsreihenumgestellt, diewiederum
imKleinen Festsaal der Universität stattfinden durften, wie zumBeispiel die
RingvorlesungFührerundWegweiser indieKulturderNeuzeit imWinter1930/
WienerVolks-undArbeiterbildung 725
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik