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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Seite - 729 -
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nomiedes Individuums,die IdeederBildungalsBefreiung innererwieäußerer KettenthematisiertederObmanndesVolksbildungsvereins,Friedrich Jodl, bei seiner Ansprache zur Eröffnung des Volksheims: »Zur Zeit, als hier die frei- heitlichen Institutionen geschaffenwurden, glaubteman, es genüge, dieMen- schen für frei zu erklären, umsie auch frei zumachen.Dazwischen liegt noch eine ganze Welt, ein Abgrund, den wir ausfüllen wollen. Frei ist nicht der Mensch, der gewisse Rechte hat, sondern der sie gebrauchen kann, und zum richtigenGebrauchkannmannurdurchBildunggelangen«73. DasBedeutsameandieserAbendvolkshochschulewar,dassderVerbreitung vonWissen andasVolk vonnunan eigeneRäumlichkeiten, ab 1905 sogar ein eigenes Haus zur Verfügung standen. Das Volksheim war damit das erste AbendvolkshochschulgebäudeEuropasundMarksteinderModerne;Christian Stifter spricht gar voneiner »Schattenuniversität«, voneinem»ForumundEx- perimentierfeld progressiver pädagogischerMethodenundwissenschaftlicher Ansätze, die derUniversität jenerZeit selbst nicht inkorporierbarwaren«74. In späterenJahrenmusstedasVolksheimgarZweigstellengründen,umdenstetig steigendenHörer/innenzahlen gerecht zuwerden. Vor allemdie Sozialgesetz- gebung der jungen Republik gewährte den Arbeiter/innenmehr Zeit für die Bildung, was in den frühen 1920er Jahren einen wahren Boom auslöste. Im Jänner1920wurde inderLeopoldstadtamGymnasiuminderZirkusgasseeine Zweigstelle eröffnet, imOktober1922 inderGottschalkgasse inSimmering, im Oktober1924inderKundmanngasseaufderLandstraße,imOktober1925inder Stromstraße in der Brigittenau. Damit hatte das Volksheim seine größte räumlicheAusdehnung erreicht. In dendarauffolgenden Jahren flaute derZu- stromderHörer/innen jedoch allmählich ab, was nebstWirtschaftskrise und ArbeitslosigkeitauchmiteinemneuenMedium,demRadio,zutunhatte,dasder VolksbildungKonkurrenzmachte.DennimJahre1924hattederRundfunksein Programmgestartet undverzeichnete 1929 allein inWien schonüber 200.000 Empfänger.75 NebendenherkömmlichenEinzelvorträgenundmehrteiligenKursengabes amVolksheimundseinenZweigstellen, umderForderungnach»eingehenden Studien« nachzukommen, sogenannte Fachgruppen. Sie waren das besondere Kennzeichen des Volksheims76 und etablierten sich als neue Form derWis- sensvermittlung, indem sie eine spezifische Anbindung der Hörerinnen und Hörer andasVolksheimdarstellten: »DaswarenGruppenvonHörernmit ge- meinsamen Bildungsinteressen, die sich durch Seminarübungen, Vorträge, 73 Friedrich Jodl, zitiert nachLampa,Volkshochschule93. 74 Stifter, Popularisierung50 f. 75 Vgl.Langewiesche, Freizeit 63. 76 DazunäherFilla,Wissenschaft für alle. WienerVolks-undArbeiterbildung 729
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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