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Friedjung, Karl Kautsky, Richard Coudenhove-Kalergi und Rosa Mayreder
sowieMaxAdler,HansKelsenundKarlRennerüberPazifismus,Psychoanalyse,
Monismus, Schulreform,Menschenrechte, Frauenbewegung und Eherechtsre-
formvortrugen.88Regelmäßig fanden auchKurse zu staatsbürgerlicher Erzie-
hungstatt.
BeiderVereinsgründunghattedarüberhinausdieAbsichtbestanden,mög-
lichst bald auch eine Volkshochschule für Sozialwissenschaften ins Leben zu
rufen. Dabei sollten Kenntnisse auf den Gebieten der Sozial- und Kulturge-
schichte, derGesellschaftswissenschaften, derÖkonomieundderPsychologie
gelehrtwerden.89DerAusbruchdesErstenWeltkrieges hatte dieVereinsarbeit
der ersten Jahre jedochmassiv auf die soziale Fürsorge gelenkt. Auch in den
1920erJahrenwurdevonderBereitschaftvielSozialarbeitgeleistet,zumBeispiel
inderFachgruppefürKinderfürsorge,dieKindertagesheimstättenbetreuteund
als Erziehungsberatungsstelle fungierte, oder in der Fachgruppe für Pfleg-
schaftswissen,die sich inderArbeitsvermittlungengagierte, finanzielleUnter-
stützungbot,Rechtshilfe gab,undpädagogischeBeratung leistete.
7. Gesellschafts- undWirtschaftsmuseum
DasGesellschafts-undWirtschaftsmuseuminWien,gegründetvonOttoNeurath
(dem Sohn des Wiener NationalökonomenWilhelm Neurath), nahm am 1.
Jänner 1925 seine Tätigkeit auf. Subventioniert war der Verein vomWiener
Gemeinderat unter Hugo Breitner. Zielsetzung war, die Zusammenhänge von
WirtschaftundGesellschaftleichtverständlichdarzustellenunddamitnichtnur
volksbildend,sondernpolitischzuwirken. InNeurathsWortenhandelteessich
beimGesellschafts- undWirtschaftsmuseumumeine »Zentralstelle für gesell-
schafts- und wirtschaftswissenschaftliche Unterweisung durch vorwiegend
optischeMittel,GraphicaundModelle«90.MitHilfedesGraphikersGerdArntz
entwickelte Neurath dafür dieMethode derWiener Bildstatistik.Das System
dieserPiktogrammeistalsIsotype(InternationalSystemofTypographicPicture
Education)bekanntgeworden.
ImKuratoriumdesVereins saßen unter anderemder Rechtsanwalt Gustav
ScheuundProfessorWalterSchiff.DieBüroräumebefandensichimerstenJahr
amBorromäusplatz3,von1927bis1934inderUllmannstraße44.Zudenersten
Mitarbeiter/innenOttoNeuraths zählte der JuristAlbinTschinkel.DasGesell-
88 Vgl. Stadler, Spätaufklärung455.HansKelsenreferierte am5.12.und12.12. 1923 inder
»Fachgruppe für sozialeBildung«über seine jüngsteSchriftMarxoderLassalle.
89 Vgl.Belke, JosefPopper-Lynkeus48.
90 Vgl.OttoNeurath,Gesellschafts- undWirtschaftsmuseums.
Extramuros:Vereine,Gesellschaften,KreisundVolksbildung734
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik