Seite - 735 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 735 -
Text der Seite - 735 -
schafts- undWirtschaftsmuseumwar jedochnicht nurAnlaufstelle fürAbsol-
vent/innen der Rechts- und Staatswissenschaften, die wenigstens für einige
Wochen oder Monate an der Entwicklung von Bildstatistiken mitarbeiten
durften; auchStudierende, dienebendemStudiumerwerbstätig seinmussten
oder wollten, fanden bei Neurath Aufnahme, so zumBeispiel der Jusstudent
RudolfModleyoderderStaatswissenschaftsstudentOskarUmrath,währender
anseinernationalökonomischenDissertationarbeitete.91
1934 emigrierten Otto Neurath, sein Teamund damit das gesamte Gesell-
schafts-undWirtschaftsmuseumindieNiederlande.
8. Arbeiter-Hochschule
Basierend auf einer gemeinsamen Unternehmung der Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei (SDAP), des Bundes Freier Gewerkschaften, des Konsum-Ver-
bandsundderSozialversicherungs-Institutewurde imJahre1926dieArbeiter-
Hochschule eröffnet. Sie war im Maria Theresien-Schlössel in Heiligenstadt
untergebracht und fungierte als Parteihochschule zur Ausbildung von Funk-
tionär/innen, weshalb die bürgerliche Presse sie umgehend »marxistisches
Priesterseminar« und »sozialistische Offiziersschule«92 nannte. Mit der Ver-
einsleitungwar JosefLuitpoldSternbetraut.
Die auf derArbeiter-Hochschule angebotenenKurse dauerten jeweils sechs
Monate. Neben den Protagonist/innen der österreichischen Sozialdemokratie
wieHelene undOttoBauer, Karl Renner, RobertDanneberg undAdolf Schärf
lehrtenauchOttoNeurathundseitensderRechts-undStaatswissenschaftlichen
FakultätMaxAdler.
DieArbeiter-Hochschulemusste bereits 1930 aufgrund finanzieller Schwie-
rigkeiten geschlossen werden. Zu ihren bekanntesten Schüler/innen zählten
Franz JonasundRosa Jochmann.
***
ImZugederFeberereignisse 1934unternahmdieStadtWienunterdemneuen
Volksbildungsreferenten Karl Lugmayer Maßnahmen zur Umgestaltung der
VolksbildungimSinneeinerchristlichenVolksgemeinschaft,die imautoritären
Stadtgesetz vom 2. Juli 1936 zur Regelung des Volksbildungswesens in Wien
(Gesetzblatt der StadtWien36/1936, ausgegebenam12.August 1936)münde-
ten. Damit wurde der bisherigen wissenschaftszentrierten Volksbildung ein
91 Vgl. Jahoda,Gesellschafts-undWirtschaftsmuseum43.
92 Vgl.Rauscher,OttoNeurath47.
WienerVolks-undArbeiterbildung 735
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik