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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Seite - 752 -
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schaftliches Gewand gekleidet, doch recht deutlich auch die antisemitische Karte ausspielten. Diese Kontroversen waren mitverantwortlich dafür, dass KelsenschonimHerbst1930WienundÖsterreichverließundzunächst inKöln eineProfessur annahm.Dort blieb er bis zurMachtergreifungderNationalso- zialisten, die ihn sofort vonseinemLehrstuhl entfernten,woraufKelsen–dem dieWienerUniversitätindieserSituationnichthelfenkonnteoderwollte–indie SchweizflohunddiefolgendenJahreinGenflehrte.Dorthinfolgteihmu.a.1934 sein FreundMises, dem die politische Lage inÖsterreich ebenfalls ein Ver- bleiben inseinerHeimatunmöglichgemachthatte. Indemnunantisemitische Forderungen,wie etwa jene, dass auf jeden »un- geraden« Professor (als welcher ein jüdischer, sozialdemokratischer, homose- xueller oder sonst nicht ins faschistischeWeltbild passenderWissenschafter bezeichnet wurde) ein »gerader« ernannt werdenmüsse, unmittelbar auf die Berufungs-undHabilitierungspolitikderFakultät einwirkten, beeinflussteder AntisemitismusmassivdiewissenschaftlicheEntwicklungderFakultät.1 Aber auch die umgekehrte Richtung, dass nämlichwissenschaftliche Kon- troversen in persönliche Feindschaften umschlugen, kam immer wieder vor. Dies sei am Beispiel HansMayers gezeigt, der in seiner autobiographischen Skizze davonberichtete, wie ihnOthmar Spann 1924 zuüberredenversuchte, der »Österreichischen Schule« abzuschwörenundauf seine Seite zuwechseln, und,alsMayerentrüstetablehnte,empörtausrief:»›DannaberKampfmitallen Mitteln!‹ Ich nahmdiesesWort, da esmir nicht gegeben ist, vor solchenMe- thoden zurückzuweichen, zur Kenntnis; Spann hat es durch zwei Jahrzehnte hindurchmit unvorstellbaremHaßundbuchstäblichmit Einsetzung aller, oft sehr heimtückisch angewendeten Mittel in die Wirklichkeit umgesetzt.«2 So schreckteSpannauchnichtdavorzurück,gegenMayereineDisziplinaranzeige einzubringen. Disziplinarverfahren waren ein besonders oft eingesetztes Mittel zur »Lö- sung« fakultätsinterner Kämpfe; im hier dargestellten Zeitraum wurden 17 derartige Verfahren gegen Fakultätsmitglieder eingeleitet,mitunter sogar auf- grundeinerSelbstanzeige,umsichsovonerhobenenVorwürfenreinwaschenzu können; inmanchenFällen standdasEhrenmoment so sehr imVordergrund, dass es fast scheint, dassdieDisziplinarverfahrenandieStellederDuelle (von denen imZeitraum1918–1938keinenachgewiesenwerdenkonnten) getreten waren.Meist endetendieseVerfahrenmitZurücklegungen, in einzelnenFällen 1 DieserBefund findet seineErgänzung inder jüngst statistisch erhobenenFeststellung, dass bei Wissenschaftern jüdischer Abstammung an der Wiener Rechts- und Staatswissen- schaftlichenFakultätderZeitraumzwischenPromotionundErnennungzumPrivatdozenten imDurchschnitt drei Jahre längeralsbei anderenPersonenwar; vgl. künftigHuber,Hoch- schullehrerschaft (Publikation inVorbereitung). 2 Mayer, Selbstdarstellung246. ZusammenfassungundSchlussbetrachtung752
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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