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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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123Die „Invalidenschulaktion“  – Administration, Einrichtungen, Partner sich Spitzy dezidiert. Allein auf diese Weise  – so ist man geneigt zu ergänzen  – konnte die Anstalt ihrer Aufgabe gerecht werden, einen funktionstüchtigen Menschen „her- zustellen“ oder  – wie Heather R. Perry formuliert  – den Kriegsbeschädigten in einer „kriegsbedingte[n] ‚Ökonomie des Körpers‘“58 zu „recyclen“. Als Entlassungsdokument erhielt der Kriegsbeschädigte ein militärärztliches Zeugnis, das „in knappen Worten ein eindeutiges Urteil des Falles“59 enthielt und wie ein Unfallsendgutachten den Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit anführte. Dieses Zeugnis bildete  – obwohl da- durch der Entscheidung der Superarbitrierungskommission nicht vorgegriffen werden sollte  – doch die Grundlage für die spätere Festsetzung der Invalidenrente.60 4.3 Die „Invalidenschulaktion“  – Administration, Einrichtungen, Partner Schon im Sommer 1915 wurde der notwendige administrative Rahmen für eine Ausweitung der Invalidenschulung geschaffen. Die ersten Schulungsversuche wur- den sanktioniert, ausgebaut und unter einem Dach zusammenfasst, Kurse zuneh- mend auch außerhalb der Heilanstalten angeboten. Die Zuständigkeiten waren schnell verteilt : Das Ministerium für öffentliche Arbeiten startete eine breit propa- gierte „staatliche Invalidenschulaktion“,61 das Ministerium des Innern steuerte die Leitsätze bei.62 Die „Aktion“ bestand zunächst im Wesentlichen darin, das existie- rende gewerbliche Bildungswesen für die Ausbildung und Umschulung von Kriegs- beschädigten in den Dienst zu nehmen. Dadurch konnte  – wie später eingestan- den wurde  – die Aktion relativ billig gestaltet werden.63 Das Ministerium richtete in Wien eine erste staatliche Invalidenschule ein,64 schuf später zusätzlich eine in Spitzy, Geleitwort, in : Adolf Deutsch, Ärztliche Berufsberatung Kriegsbeschädigter im Rahmen der Arbeitsvermittlung, hg. von der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsbeschädigte, Wien 1917, S.  5. 58 Heather R. Perry, Brave Old World. Recycling der Kriegskrüppel während des Ersten Weltkrieges, in : Barbara Orland (Hg.), Artifizielle Körper  – Lebendige Technik. Technische Modellierungen des Kör- pers in historischer Perspektive (= Interferenzen. Studien zur Kulturgeschichte der Technik 8), Zürich 2005, S.  147–158, hier S.  154. Perry untermauert ihre Argumentation vor allem mit dem Verweis auf die Prothesen, durch die Kriegsbeschädigte gleichsam zu austauschbaren Werkzeugen wurden ; bes. S.  152. 59 Grundlage für die Entscheidung lieferten verschiedene aus der Friedenspraxis bekannte Schemata, wie etwa das „Wiener Schema“ der Arbeiterunfallversicherung ; Boxer, Verminderung, S.  94. 60 Ebd., S.  92. 61 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S.  23. 62 Erlass des MdI v. 15.6.1915 ; ebd., S.  12. 63 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  268. 64 Die Wiener Schule war in einem staatlichen Gebäude (Wien IX, Michelbeuerngasse 8) untergebracht
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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