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nisterium verantwortlich zeichnete79 und der im Wesentlichen Offizieren und Unter-
offizieren vorbehalten blieb,80 übernahm das Gremium der Wiener Kaufmannschaft.81
Trotz dieser Sonderstellung Wiens82 war die Dezentralisierung der Ausbildungs-
möglichkeiten erklärtes Ziel der Invalidenschulaktion – und das nicht nur, weil die
Organisation der Schulungen Landessache war. Das Prinzip der breiten Streuung der
Kurse wurde – vor dem Hintergrund der Nationalitätenproblematik des Habsburger-
reiches – auch durch ein psychologisches Argument untermauert. Schon zur Nachhei-
lung sollte nämlich jeder Kriegsbeschädigte nach Möglichkeit in seinem Heimatland
untergebracht werden. Er würde dort – so die Hoffnung – „das größte Verständnis für
seine Wünsche, Fähigkeiten und Gewohnheiten finden“, und die bekannte Umgebung
würde „ein starkes psychologisches Moment bilden“, um „sein Zutrauen in die ihm
zugedachte Nachheilung beziehungsweise Schulung zu erwecken und zu stärken“.83
Konsequenterweise musste daher darauf geachtet werden, dass den Kriegsbeschädigten
auch außerhalb der Hauptstadt und in anderen Kronländern ein breites Angebot an
Kursen zur Verfügung stand, und so bildete sich in den Landeshauptstädten die Wiener
Situation bald im Kleinen ab : Diverse Schulen stellten sich in den Dienst der Sache
und kooperierten mit den regionalen Landeskommissionen und Reservespitälern.84
Dezentral wurde auch die landwirtschaftliche Invalidenschulung durchgeführt. Sie
wurde erst etwas später als die gewerbliche Schulung
– und zuerst in Niederösterreich
–
in Angriff genommen.85 Ihre Leitung lag nicht in ministerieller Hand, sondern direkt
79 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.
271. Durch die Erlässe v. 20.1.1916 und v. 3.6.1916
wurden drei Kurstypen eingerichtet : ein Lehrkurs für Bankwesen (für Offiziere), ein Lehrkurs für Ver-
sicherungswesen (ebenfalls für Offiziere) und ein Kaufmännischer Lehrkurs (für Unteroffiziere, dieser
Kurs war am stärksten frequentiert).
80 Mannschaftspersonen wurden zu diesen Kursen nur ausnahmsweise zugelassen ; K.k. Ministerium des
Innern, Mitteilungen, 1916, S. 144.
81 Ebd., S. 162. Später kamen zu den von der Wiener Kaufmannschaft im Reservespital Nr. 11 und in der
Gremialhandelsschule (Wien III, Uchatiusgasse 9) angebotenen Kursen noch die staatlich anerkannten Han-
delskurse der Handelsschule Allina (Wien I, Rauhensteingasse 5) und der privaten Mariahilfer Handelsschule
(Wien VI, Millergasse 43) hinzu. Außerdem veranstaltete auch der Arbeitsausschuss für Soldatenunterricht
des Patriotischen Hilfsvereins vom Roten Kreuze (Wien I, Stephansplatz 2) eigene Kurse ; K.k. Ministerium für
soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S.
129 ; zu den Adressen : Lang, Schleierbaracken, S.
20.
82 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 11941/1918.
83 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S. 7.
84 In Innsbruck schlossen sich beispielsweise die Firma Salzmann (Maschinschreiben), die Berlitzschule
(Sprachen) und der Stenographenverein der Invalidenschulung an, indem sie kostenlose Kurse für Kriegs-
beschädigte anboten ; als anerkannte Kurse im Sinne der Kaiserlichen VO v. 7.12.1915 (RGBl 1915/364)
galten diese Lehrgänge jedoch nicht ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 5656/1918.
85 Die Invalidenschulaktion ging anfangs nur von den Erfordernissen des gewerblichen Unterrichts aus ;
Otto Burkard, Über die Schulung Kriegsinvalider, in : K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916,
S. 99–105, hier S. 102.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918