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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 150 -
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150 Invalidenschulung als Folge einer Einstellung der Rehabilitationsmaßnahmen wohl der ohnehin bereits vorhandene Druck, dann die unzureichenden finanziellen Leistungen für Kriegsbe- schädigte auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben, noch viel größer geworden. Aber jenseits dieser Überlegung wäre es politisch wohl gar nicht durchsetzbar gewesen, bereits eingeleitete Maßnahmen für die Invaliden wieder zu beenden, denn  – und das zeigen ausnahmslos alle Äußerungen zum Thema Kriegsbeschädigtenfürsorge wäh- rend des Krieges  – es gab von welcher Seite auch immer keine einzige Stimme, die es gewagt hätte, Ansprüche der Gruppe der Kriegsbeschädigten infrage zu stellen. 4.7 Erfolg oder Misserfolg? Die Zahlen War die Invalidenschulung ein Erfolg oder nicht ? Glaubt man den Berichten aus der Ministerialbürokratie, so gewinnt man den Eindruck einer unter Schwierigkeiten be- gonnenen, aber letztlich gelungenen Aktion. Von offizieller Seite wurden Anfangs- schwierigkeiten eingeräumt, die jedoch angeblich bis 1917 alle beseitigt waren. Die Berichte der Landeskommissionen über das Jahr 1915, das erste Jahr der Invaliden- schulaktion, waren noch desillusionierend gewesen : Die Teilnehmerzahlen waren in manchen Kronländern verschwindend niedrig, weil sich die Betroffenen einer Schu- lung meist nicht unterziehen wollten. Die landwirtschaftlichen Arbeiter, Kleinbau- ern und Knechte unter ihnen äußerten nur den Wunsch, rasch wieder in die Heimat zurückkehren zu dürfen, und befürchteten, dass sie nach einer Ausbildung nicht mehr rentenberechtigt sein würden.201 Auch 1916 musste noch ein Erlass des Kriegsminis- teriums an die Militärkommandos nachhelfen, damit genügend Kriegsbeschädigte an das Reservespital Nr. 11 in Wien überwiesen wurden, denn man konnte sich nicht erlauben, die dort mit beträchtlichem privaten Spendenaufwand errichteten mecha- nischen Schulbetriebe unausgelastet zu lassen.202 „Am Beginne bestand ein solcher Wirrwarr“,203 fasste Ministerialrat Baron Klimburg vom Ministerium für öffentliche Arbeiten im Frühsommer 1917 die anfängliche Situation zusammen, dass von einer spürbaren Wirkung der Invalidenschulaktion noch nichts zu bemerken war. Doch nun habe sich  – wie er vor Vertretern der Landeskommissionen betonte  – speziell der ge- 201 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S.  70. 202 Erlass des KM v. 8.11.1916, Abt. I.F. Nr. 1700, an die Militärkommandos ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  207 ; geworben wurde insbesondere um einarmige Kriegsbeschädigte, die  – aus- gebildet in den Werkstätten für Konfektionsindustrie  – „auf diese Weise einen namhaften Verdienst (gegenwärtig bis zu 58 K wöchentlich) finden können“. 203 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  268.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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