Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 153 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 153 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Bild der Seite - 153 -

Bild der Seite - 153 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text der Seite - 153 -

153Erfolg oder Misserfolg? Die Zahlen ten geschulte Kriegsbeschädigte hinzurechnet, so ergibt das eine Zahl von 23.700 in der österreichischen Reichshälfte geschulten Kriegsbeschädigten. Zum selben Zeit- punkt betrug jedoch die Gesamtzahl der österreichischen Kriegsbeschädigten bereits fast 162.000.217 Das würde bedeuten, dass die Schulungsmaßnahmen nur 15 % aller Kriegsbeschädigten erreichten. Eine aus Salzburg überlieferte Zahl bestätigt dieses Zahlenspiel : Die dortige Landeskommission beklagte, dass nicht einmal ein Zehntel aller Kriegsbeschädigten von der Invalidenschulaktion erfasst würde.218 Wenn man zusätzlich in Rechnung stellt, dass  – wie auch Baron Klimburg einräumte  – nur die Hälfte der Geschulten ihre Schulung auch wirklich abschloss,219 so erweckt das wei- tere Zweifel an der realen Bedeutung und Effizienz der groß angelegten Invaliden- schulaktion. Den Erfolg der Schulungsmaßnahmen könnte man freilich auch daran ablesen, wie gut es den Geschulten gelang, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Während des Krieges dürfte das leicht gewesen sein. 1916 meldete die Invalidenschule in der Wiener Michelbeuerngasse, dass die Teilnehmer des eben abgeschlossenen Maschinzeichen- kurses „sämtlich gut bezahlte Anstellungen in den Maschinenfabriken gefunden“220 hatten, wo sie sich dem Vernehmen nach auch sehr gut bewährten. Ebenso wurden fast alle der insgesamt 656 zwischen Frühjahr 1915 und Ende 1916 an den landwirt- schaftlichen Lehranstalten Niederösterreichs unterrichteten Kriegsbeschädigten auf gut bezahlten Stellen untergebracht.221 Und auch die Absolventen der Invalidenschule an der oberösterreichischen Staatsgewerbeschule konnten 1917 im Allgemeinen leicht vermittelt werden.222 Schon gegen Kriegsende und besonders nach dem Krieg sollte sich das freilich grundlegend ändern. Skeptische Stimmen hinsichtlich der Invalidenschulung gab es jedenfalls  – wenn auch vereinzelt  – schon unter den Zeitgenossen. Otto Liermberger, Chefarzt des k. u. k. Fürsorgeheimes in Innsbruck, äußerte sich bei einer Tagung der Bezirksfürsorgestel- len223 der Tiroler Landeskommission im Juni 1918, also nur ein knappes Jahr nach Baron Klimburgs euphorischen Worten, pessimistisch zum Konzept der Invaliden- schulung : 217 Auf Basis der bis zum 31.3.1918 im Ministerium für soziale Fürsorge eingelangten Zählkarten er- rechneten die Statistiker eine Gesamtzahl von 161.779 Kriegsbeschädigten seit Beginn des Krieges ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1363, 24911/1918. 218 Ebd., Kt. 1361, 13334/1918. 219 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  269. 220 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  203. 221 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  260. 222 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1361, 14921/1918. 223 Zu den Bezirksfürsorgestellen vgl. Kapitel 6.3.2.
zurück zum  Buch Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates