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5 Platzierung auf dem Arbeitsmarkt :
Die k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide
5.1 Gründung und Aufbau
Im Anschluss an die erfolgreiche Invalidenschulung sah das Konzept der sozialen
Kriegsbeschädigtenfürsorge eine staatlich organisierte Vermittlung der Geschulten auf
geeignete Arbeitsplätze vor.1 Das Endziel – die Herstellung von „Erwerbsfähigkeit
und Erwerbsmöglichkeit der Kriegsbeschädigten“2 – sollte, was die Erwerbs fähigkeit
betraf, zunächst durch Schulung, und was Erwerbsmöglichkeit anbelangte, durch eine
darauf aufbauende Arbeitsvermittlung erreicht werden. Unterstützung bei der Ar-
beitsplatzsuche avancierte somit zum öffentlichen Auftrag. Kein Kurs entließ die
Geschulten ohne weitere Beratung auf den Arbeitsmarkt : Entweder wurden Kriegs-
beschädigte direkt vom Schulungsträger auf einen Arbeitsplatz vermittelt oder eine
Arbeitsvermittlungsstelle übernahm diese Aufgabe.
Die administrative Verankerung dieses Aufgabenbereiches erfolgte im Umfeld der
Landeskommissionen. Im Juni 1915 wurde per Ministerialerlass3 die sogenannte k. k.
Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide geschaffen. Dieser dem Ministerium des Innern
unterstellte „staatliche Verwaltungsapparat“4 entband die gerade erst im Aufbau be-
griffenen Landeskommissionen von der Aufgabe, für die Rückführung der Kriegsbe-
schädigten in das Erwerbsleben zu sorgen5 – einer Aufgabe übrigens, der die Landes-
kommissionen wohl angesichts ihrer mangelhaften Personalausstattung ohnehin nicht
hätten gerecht werden können. Die neu ins Leben gerufene Einrichtung war im Un-
terschied zu den Landeskommissionen keine völlige Neuschöpfung, sondern konnte
meist auf bereits bestehenden – teils gemeinnützigen, teils öffentlichen „Arbeitsnach-
1 Zur Arbeitsvermittlung siehe Verena Pawlowsky/Harald Wendelin : Transforming Soldiers into Workers.
The Austrian Employment Agency for Disabled Veterans during the First World War (erscheint 2014,
in : Berghahn Books)
2 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen über Fürsorge für Kriegsbeschädigte, Wien 1915, S. 6.
3 Erlass des MdI v. 28.6.1915 ; ebd., S. 26–28.
4 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen über Fürsorge für Kriegsbeschädigte, Wien 1916, S. 152–
154, hier S. 152.
5 Auf die bereits eingerichteten Invalidenfürsorgestellen musste nun dahin gehend eingewirkt werden,
dass sie die Arbeitsvermittlung wieder aufgaben ; ebd., S. 153f.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918