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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 162 -
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162 Platzierung auf dem Arbeitsmarkt : Die k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide schädigten Männer, die sich an die Arbeitsvermittlungsbüros wandten, vermittelt.27 Und die niedrigsten Raten wurden aus Laibach gemeldet, wo nur 5 bis 10 % der in den Büros registrierten Männer in den Arbeitsmarkt reintegriert werden konnten.28 Unbefriedigend war auch die Tatsache, dass ein Großteil der Kriegsbeschädigten  – angeblich 80 %29  – die vermittelten Stellen innerhalb eines Jahres wieder verließ. Während Berichte über die Invalidenschulung meist außergewöhnlich positiv, ja vielfach enthusiastisch ausfielen, vermisst man diesen euphorischen Ton bei der Arbeitsvermittlung völlig. 5.2.1 Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage Eine der Hauptschwierigkeiten bestand darin, dass die Arbeitsvermittlungsbüros das auf dem Arbeitsmarkt herrschende Missverhältnis von Angebot und Nachfrage nur mangelhaft überbrücken konnten. In den ersten Kriegsjahren wurden ihnen oft Stellen gemeldet, für die sich Kriegsbeschädigte  – sei es aufgrund ihres konkreten Leidens, sei es aufgrund fehlender Qualifikation  – einfach nicht eigneten. Das Justizministerium wollte zum Beispiel 1916 unter den Kriegsbeschädigten staatsanwaltliche Funktionäre rekrutieren und startete eine Werbeaktion, konnte aber zwei Jahre später erst die An- stellung von zwei Personen melden.30 Im letzten Kriegsjahr war dann oft umgekehrt die Nachfrage nach Posten größer als das Angebot.31 Der Rohstoff- und Kohlemangel hatte zu diesem Zeitpunkt viele Betriebe bereits dazu gezwungen, ihre Produktion zu reduzieren oder ganz einzustellen und Arbeitskräfte zu entlassen.32 Es gab freilich mit dem großen Sektor der Kriegswirtschaft einen Bereich, in dem sich Arbeitsmöglichkeiten für Kriegsbeschädigte eröffnet hätten, doch Landeskom- missionen wie Vermittlungsbüros standen einer Vermittlung von Arbeitsplätzen in 27 Ebd., Kt. 1356, 93/1918, Landeszentralarbeitsamt in Prag III an MdI v. 29.12.1917 ; ebd., Kt. 1357, 2635/1918. 28 Ebd., Kt. 1356, 1669/1918. 29 Ebd., Kt. 1358, 4471/1918, Bericht über die Beratung der Arbeitsvermittlungen am 7.2.1918, S.  3 ; siehe auch ebd., S.  8 : „Viel Verdruss bereitet das Vorkommen arbeitsunfähiger und arbeitsscheuer Elemente unter den Invaliden. Epileptische, Geistesgestörte, Lungenkranke und an Nervenschock leidende Inva- lide vermögen ihre Posten nur auf kurze Zeit auszufüllen und werden daher immer von neuem an die Landesstelle verwiesen. In letzter Zeit hat sich die Praxis eingebürgert, derartigen Invaliden Aufseher- posten in Flüchtlingslagern zu vermitteln, woselbst sich diese Leute vielfach erholen.“ 30 Ebd., Kt. 1356, 1591/1918. Die Aktion wurde nach Kriegsende noch einige Jahre weitergeführt, doch der Erfolg blieb weiter aus ; ebd., Kt. 1371, 6678/1920. 31 Ebd., Kt. 1358, 4346/1918, AV Wien v. 6.2.1918. Das wird zum Teil auch schon für 1917 behauptet ; Weiss in ebd., Kt. 1359, 8246/1918, Protokoll der Sitzung des Arbeitsausschusses der k. k. Arbeitsver- mittlung/Landesstelle Wien v. 4.3.1918, S.  IX. 32 Z. B. ebd., Kt. 1358, 4471/1918, Bericht über die Beratung der Arbeitsvermittlungen am 7.2.1918, S.  6.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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