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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 166 -
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166 Platzierung auf dem Arbeitsmarkt : Die k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide Kriegsbeschädigte, die sich an die Arbeitsvermittlungen wandten, befanden sich aber nicht allein wegen ihres gesundheitlichen Zustandes in einer verzweifelten Situ- ation, sondern waren als Angehörige der Unterschicht meist auch nicht in der Lage, auf irgendwelche Ressourcen zurückzugreifen. Es waren Handwerksgesellen, unselbst- ständige Industriearbeiter und unausgebildete Hilfsarbeiter  – Männer, die mit ihrer vor Kriegsbeginn ausgeübten Tätigkeit oft nichts mehr verband und die nun  – ent- wurzelt, verarmt und schwer verletzt oder erkrankt  – vollkommen allein dastanden. Kriegsbeschädigte, die wieder bei ihren ehemaligen Arbeitgebern unterkamen oder als landwirtschaftliche Selbstversorger in die Heimat zurückkehrten  – und das wa- ren die meisten50  –, nahmen die Arbeitsvermittlung gar nicht in Anspruch. Kriegsbe- schädigte, die eine Invalidenschulung absolviert hatten  – und deshalb wahrscheinlich leichter als andere vermittelt werden konnten  –, fielen quantitativ nicht ins Gewicht. Und Leichtinvalide, die man auf dem Arbeitsmarkt vielleicht besser hätte unterbrin- gen können, wurden zu diesem Zeitpunkt von der Armee nur mehr in den seltensten Fällen freigegeben.51 Im Versuch, die ausbleibenden Vermittlungserfolge der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide zu begründen, führten zeitgenössische Beobachter gern „persönliche Eigenschaften der Kriegsinvaliden“ ins Treffen, die bis „in die sogenannte Rentenpsy- chose ausarten“52 würden. Wieder nahm hier die schon bei den Schulungsmaßnahmen konstatierte „Arbeitsscheu“ einen zentralen Platz in der Argumentation ein.53 Viel- fach wurde in den Arbeitsvermittlungsbüros dieselbe Erfahrung gemacht wie bei den Berufsberatungen und Schulungen, nämlich dass Kriegsverletzte sich an ihre Renten klammerten, solche Stellen, die ihnen große Anstrengungen abverlangt hätten, mieden und stattdessen bequeme Verdienstmöglichkeiten suchten.54 Sie waren vor allem an 50 Ebd., Kt. 1358, 4471/1918, Bericht über die Beratung der Arbeitsvermittlungen am 7.2.1918, S.  3. 51 Ebd., S.  4f. An anderer Stelle hieß es, dass „derzeit fast nur Schwerinvalide, wie Hand- und Fussam- putierte, Epileptiker, Geistesgestörte, Herzkranke, etz. seitens der Heeresverwaltung entlassen und alle Leichtgeschädigten zu militärischen Dienstleistungen neuerdings herangezogen“ würden ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 4346/1918, AV Wien v. 6.2.1918. 52 Jahresbericht der staatlichen Landeszentrale für das Königreich Böhmen 1915, in : K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  169. Als Rentenpsychose bezeichnete man ein Krankheitsbild, das mehr der Angst vor dem Verlust der Rente als realen Ursachen geschuldet war. 53 „Die k. k. Arbeitsvermittlung […] hat auch die schwere Aufgabe, die arbeitsscheuen Kriegsinvaliden durch Einrichtungen einer geregelten Arbeit wieder zu zuführen“ ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1357, 2748/1918, AV Troppau v. 14.7.1917. 54 Ebd., Kt. 1362, 18227/1918, Akt v. 10.4.1919 ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S.  68 ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  93 und S.  209 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 3848/1918, S.  21.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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