Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 174 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 174 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Bild der Seite - 174 -

Bild der Seite - 174 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text der Seite - 174 -

174 Die Verwaltung : Schwachpunkt der sozialen Kriegsbeschädigtenfürsorge auch dazu führten, dass die gewünschten Fürsorgeausschüsse zumindest gegründet wurden. Doch sehr effizient dürfte diese von den lokalen Eliten getragene und bloß ehrenamtlich ausgeübte Fürsorgetätigkeit in der Praxis dann nicht gewesen sein. Und schon im Herbst 1916, als die im Frühjahr noch spürbar gewesene Kriegsbegeisterung bereits merklich nachgelassen hatte,10 stieß der Wanderredner in der Provinz auf weit weniger freundliche Aufnahme als zu Beginn. Die letzte Fahrt Peerz’ erwies sich überhaupt als Fehlschlag. Schon im Vorfeld hatte man sich im Ministerium des Innern darauf verständigt, dass bei dieser Reise nach Graz von der Gründung der Fürsorgeausschüsse abgesehen werden sollte, und als Peerz in der Stadt ankam, mussten auch die Vorträge abgesagt werden, weil aufgrund von Unruhen ein Versammlungsverbot ausgesprochen worden war. Peerz besichtigte daraufhin einige einschlägige Einrichtungen, um den auf einen späteren Termin ver- schobenen Vorträgen durch Hinweise auf die lokalen Gegebenheiten eine „spezifische Färbung“11 verleihen zu können, und erwarb in der Orthopädischen Anstalt 50 Dia- positive für seinen Vortrag „Von der Front bis zum schaffenden Leben“.12 Diese Mühe sollte sich als vergeblich erweisen, denn drei Wochen später wiederholte er die Reise in die Steiermark  – mit ähnlichem Misserfolg. Manche Vorträge mussten abgesagt wer- den, weil die lokalen Behörden jede Vorbereitung verabsäumt hatten, andere musste Peerz erst mühevoll vor Ort bewerben, „[s]o unwürdig es [ihm] auch erschien, als Leiters der k. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirkskommissär Dr. Neuber. Einleitung des Vortrages durch den Leiter der Landesstelle Linz der k. k. Arbeitsvermittlung, darauffolgend Vortrag des Prof. Dr. R. Peerz und Lichtbildervorführung durch die Kinoinhabung. Vortragsthema : Die Hauptformen des gegenwärtigen Krieges […] Aufnahme des Vortrages mit groszem Interesse und Beifall. Unter den Zuhörern auffallend viel Personen im reiferen jugendlichen Alter. Beteiligung seitens der Gemeindevor- stehung Steyr relativ gering. Anschlieszend Konstituierung des Ausschusses im Hotel Steyrerhof. […] 11. August : Vortrag in Kirchdorf. Ort der Veranstaltung : Schobesberger’s Gasthof. Lichtbildapparat durch o.-ö. Volksbildungsverein kostenlos beigestellt, desgleichen Stromlieferung seitens des Elektrizi- tätswerkes R. Hofmann & Co. Lichtbildervorführung durch Lehrer W. Fürböck. Besuch sehr gut, (ca 200 Personen), sowohl aus Kreisen der Sommergäste, als auch jenen der Einheimischen. Unter Erste- ren auch Frau Fürstin Windischgrätz mit Familie. […] In einer anschlieszenden Sitzung, bei der eine Reihe der von der k. k. Bezirkshauptmannschaft eingeladenen Herren zusammentraf, welche sich zur Uebernahme der Fürsorgefunktionen bereit erklärt hatten, wurden diese des Näheren erläutert und der Fürsorgeausschusz konstituiert.“ Ebd., Kt. 1553, Sa 10, 2700/1918, Bericht über die Fortsetzung der Vortragsreise zur Errichtung von Fürsorgeausschüssen der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide in Oberösterreich, v. 17.8.1916. 10 Z. B. John Keegan, Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Reinbek bei Hamburg 2003, Kapitel „Die Stimmung in den Krieg führenden Nationen“. 11 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1365, 7880/1919, Bericht über die vom 12.–20. Okt 1916, bezw. vom 6.–18. November 1916 in Steiermark unternommene Vortragsreise im Interesse der k. k. Arbeitsvermitt- lung an Kriegsinvalide und der Kriegerwaisenfürsorge (Erstattet von Dr. Rudolf Peerz), S.  2. 12 Ebd., S.  3.
zurück zum  Buch Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates