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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 177 -
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177Zwischenbilanz 1917 men zur Fürsorge für heimkehrende Krieger, war.26 Gemeinsam hatten die beiden schon Anfang 1916 für eine großzügige Ausgestaltung der Kriegsbeschädigtenfür- sorge und vor allem für eine dezentrale Organisationsstruktur von Landeskommissio- nen und Arbeitsvermittlung mit „heimatlichen Beratungsstellen“27 plädiert. Trotzdem war die Organisation der böhmischen Kriegsbeschädigtenfürsorge im Wesentlichen der Militärverwaltung, der Eger entstammte, zu verdanken.28 In Wien kritisierte Hauptmann Karl Eger nun : „Die Richtlinien, die die staatliche Fürsorge für die Kriegsbeschädigten anfangs aufgestellt hat, die Vorkehrungen und Einrichtungen, die getroffen wurden, sind zum Teil durch die Ereignisse überholt wor- den, zum Teil haben sie sich als unzulänglich erwiesen.“29 Die Arbeit der Landeskom- missionen respektive der Landeszentrale mit ihren vielen Ausschüssen und Kommis- 26 In Prag war die Landeskommission der AUVA angegliedert. Robert Marschner war Vorgesetzter von Franz Kafka. Beide sind mit einschlägigen Veröffentlichungen hervorgetreten ; Robert Marschner, An die Kriegsbeschädigten aus unserer Land- und Forstwirtschaft, Prag 1916 ; Franz Kafka, Aufruf des Deutschen Vereins zur Errichtung und Erhaltung einer Krieger- und Volksnervenheilanstalt in Deutschböhmen in Prag [November 1916], in : Erich Heller/Jürgen Born (Hg.), Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit, Frankfurt/M. 1967, S.  764–766. Eine Zusammenführung der militärischen mit der zivilen Verwaltung der Kriegsbeschädigtenfürsorge gelang in Böhmen  – wegen des unterschiedlich ausgeprägten Engagements der relevanten Stellen einerseits und der Nationalitä- tenprobleme andererseits  – nur sehr mangelhaft. Ein bisweilen konfliktreiches Nebeneinander war die Folge ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 3848/1918, S.  10f. So übergab das Militärkommando das gut funktionierende Ortsstellennetz (die Ortsstellen hießen zunächst Ortsausschüsse und wurden im Zuge der Übergabe in Fürsorgestellen umbenannt) zwar an die Landeszentrale  – diese schuf außer- dem Vertrauensmännerkommissionen am Sitz der Militärsanitätsanstalten und gab ab März 1917 eine eigene Zeitung heraus  –, doch konnte die Landeszentrale die Evidenzführung wegen Personalmangels nicht mitübernehmen ; ebd., Kt. 1361, 13869/1918 ; ebd., Kt. 1358, 3848/1918, S.  11f ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  166–169. Die Evidenzführung wurde noch 1918 von den militäri- schen Stellen besorgt. Die Übernahme hatte also eher formalen Charakter, und das Verhältnis zwischen Landeszentrale und Ortsstellen blieb locker. Zudem wurde die Landeszentrale als böhmisches Amt wahrgenommen, während sich die Ortsstellen zuerst in „Deutschböhmen“ etabliert hatten. In der Lan- deszentrale in Prag (bei der AUVA) waren  – wenngleich der Büroleiter Robert Marschner ein deutsch- sprachiger Tscheche war  – fast keine deutschen Beamten angestellt ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1361, 15593/1918, Artikel in der Zeitung Bohemia ; siehe auch Klaus Wagenbach, Kafka (= rororo Bio- graphie), Hamburg 1964, S.  63. Die Landeszentrale bevorzugte außerdem die Prager Kriegsbeschädig- ten, was  – wie Eger bedauerte  – wiederum die Spendenfreudigkeit der deutschsprachigen Bevölkerung dämpfte. Karl Eger konnte durch intensiven Kontakt häufig vermittelnd wirken, doch plädierte er, wie andere auch, ganz vehement für eine Trennung in eine böhmische und eine deutsche Verwaltung ; z. B. AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 3848/1918, S.  37. Dass Karl Eger ein Verfechter der intensiven administrativen Kommunikation war, kommt besonders deutlich in einer Sammlung seiner Anordnun- gen zum Ausdruck ; ebd., Kt. 1361, 13869/1918. 27 Ebd., Kt. 1358, 3848/1918. 28 Ebd., Kt. 1356, 1808/1918. 29 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  278.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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