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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 181 -
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181Reorganisation 1918 ralbehörden eingestehen mussten  – letztlich doch schwerfällige Apparate und als sol- che ihren Aufgaben speziell in der „Detailarbeit der Kriegsbeschädigtenfürsorge“43 nur mangelhaft gewachsen. Sie erwiesen sich als zwar halbwegs erfolgreich bei der Verwaltung von Spitals betten und der Einrichtung von Invalidenkursen, und es gelang ihnen gemeinsam mit den Mi- litärkommandos auch, den Strom der Kriegsbeschädigten in die Heilanstalten und In- validenkurse zu dirigieren, aber weder waren die Aufgabenbereiche der medizinischen Versorgung und Schulung neu geschaffen worden, noch hatten die Zuweisungen und Transferierungen mit individueller Fürsorge für die einzelnen Kriegsbeschädigten viel zu tun. Dort jedoch, wo es gerade um diese spezifische Art persönlicher Betreuung gegangen wäre, nämlich spätestens bei der Arbeitsvermittlung, betraten die staatlichen Stellen Neu- land. Hier taten sich die größten Probleme auf. Der schon bald als notwendig erkannte Aufbau regionaler und lokaler Strukturen gelang nur sehr mühsam. Ein zur Gänze auf ehrenamtliche Mitarbeit rekurrierender Apparat musste hier scheitern. Die personelle Verflechtung der Landeskommissionen und der Arbeitsvermittlungen mit dem Roten Kreuz und dem Silbernen Kreuz,44 mit der Arbeiterunfallversicherung sowie anderen öf- fentlichen und privaten Körperschaften konnte das nicht verhindern. Grundsätzlich war es so, dass an Orten, wo es engagierte Personen gab und wo die Zusammenarbeit mit den Militärkommandos funktionierte, Landeskommissionen und Arbeitsvermittlungen bedeutend aktiver und effizienter waren als an solchen  – oft zentrumsfernen  – Orten, wo es solche Personen nicht gab und wo bisweilen auch eine große Zurückhaltung gegenüber den Anordnungen der Wiener Zentralstellen herrschte, deren Erlässe und Verordnungen häufig einfach ignoriert wurden. Dass etwa die seit 1915 durchgängig herausgegebenen Mitteilungen über Fürsorge für Kriegsbeschädigte sogar 1918 bei manchen einschlägigen Einrichtungen noch nicht bekannt waren, warf kurzfristig auch im Ministerium die Frage nach der Effizienz des eigenen Handelns auf.45 Die dürftige finanzielle Ausstat- tung des jungen Verwaltungsapparates trug schließlich auch dazu bei, dass die von den Zentralbehörden zwar mit immer neuen Erlässen versorgten, aber sonst im Wesentlichen sich selbst überlassenen Landeskommissionen hohle Verwaltungskörper blieben.46 43 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 3848/1918, S.  34. 44 Die k. k. Gesellschaft vom österreichischen Silbernen Kreuz zur Fürsorge für heimkehrende Reservisten war be- sonders stark in den deutschsprachigen Kronländern vertreten. Ihre zentrale Aufgabe sah sie im Bereich der Arbeitsvermittlung ; Jahresbericht der k. k. Gesellschaft vom Österreichischen Silbernen Kreuze zur Fürsorge für heimkehrende Reservisten für das Jahr 1915 und Verzeichnis der Zweigvereine, Ortsgruppen und Zahlstellen mit den Funktionären, Ehrenmitgliedern, Stiftern, Gründern und Förderern, Wien 1916. 45 Die deutsch-böhmische Fürsorgestelle für Kriegskrüppel und Kriegsverletzte in Reichenberg ersuchte im Juni 1918 um die Zusendung dieser Mitteilungen, von deren Existenz sie erst kurz zuvor durch das Militärkommando Leitmeritz erfahren hatte ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1361, 15358/1918. 46 Als im Oktober 1917 angeregt wurde, in den Heilanstalten sogenannte soziale Hilfsstellen einzurichten,
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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