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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 182 -
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182 Die Verwaltung : Schwachpunkt der sozialen Kriegsbeschädigtenfürsorge Aber 1917 war das Jahr, als nach relativer Stagnation wieder Bewegung in den Bereich der Sozialgesetzgebung kam ; im Sommer wurde das Ministerium für Volksgesundheit geschaffen, und die Gründung des Ministeriums für soziale Fürsorge stand  – nach ers- ten, wenn dann auch wieder verworfenen Vorarbeiten Julius Tandlers47 und Joseph M. Baernreithers48 sowie Plänen Viktor Matajas49  – unmittelbar bevor.50 Auf verschiede- nen Ebenen wurde auch Kritik an der krassen Unterversorgung der Kriegsbeschädigten sowie der mangelhaften Organisation und Verwaltung dieses Fürsorgezweiges laut. Der Wiener Gemeinderat hatte schon Anfang 1917 eine Resolution eingebracht, in der er von der Regierung eine Reform der Invalidenversorgung in mehreren Punkten gefor- dert hatte.51 Aber erst nach der Wiedereinsetzung des Parlaments Mitte 1917 konnte auch auf parlamentarischer Ebene Kritik formuliert werden. Das Abgeordnetenhaus musste sich allein im November 1917 zweimal mit dem Thema Kriegsbeschädigten- fürsorge auseinandersetzen, einmal aufgrund einer Interpellation slowenischer52 und formulierte die Militärverwaltung ihre Hoffnung, dass die Kommunikation mithilfe dieser Stellen besser funktionieren würde „als durch papierene, nicht gelesene Erlässe“ ; ebd., Kt. 1360, 11941/1918, S.  15. Das Militärkommando Wien erließ am 16.11.1917 eine entsprechende Verordnung und plante für Anfang 1918 einen Einschulungskurs für die sozialen Berater. Auch die niederösterreichische Landeskommis- sion musste „immer wieder die Beobachtung [machen], dass die bestdurchdachten und bestgemeinten schriftlichen Erlässe und Befehle nicht immer die gewünschte Wirkung auslösen, da sie vielfach ent- weder gar nicht beachtet werden, oder bald wieder in Vergessenheit geraten, zudem die Organe, die sie beherrschen, oft abberufen und durch andere ersetzt werden, denen alle früheren Erlässe fremd sind und die bei der Fülle der ihrer wartenden Geschäfte nicht Zeit finden, sich mit ihnen vertraut zu machen“ ; ebd. 47 Julius Tandler (*26.2.1869, †26.8.1936), Anatom und Sozialpolitiker, 1919–1920 Unterstaatssekretär für Volksgesundheit, verließ Österreich nach kurzer Haft infolge des Bürgerkriegs von 1934 und wurde medizinischer Berater in der Sowjetunion ; Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Wien 1992–2004, Bd. 5. 48 Joseph Maria Bernreither (*12.4.1845, †19.9.1925), Politiker, 1898 Handelsminister, 1916 Minister ohne Portefeuille, setzte sich für die Jugendfürsorge ein ; Österreichisches biographisches Lexikon, Bd. 1, Wien 1954, S.  45. 49 Viktor Mataja (*20.7.1857, †19.6.1934), Jurist, Nationalökonom und Sozialpolitiker, war der erste Mi- nister für soziale Fürsorge (22.12.1917–27.10.1918) ; Österreichisches biographisches Lexikon, Bd. 6, Wien 1974, S.  135. 50 Als Gründungsdatum des österreichischen Ministeriums für soziale Fürsorge gilt das Datum des Kai- serlichen Handschreibens v. 7.10.1917 ; Bettina Heise, Vom k. k. Ministerium für soziale Fürsorge zum Bundesministerium für soziale Verwaltung, Dipl.-Arb. Wien 1995, S.  6f und S.  28–90, hier S.  38. 51 Eine Resolution gleichen Inhalts richtete der Gemeinderat ein Jahr später neuerlich an die österreichi- sche Regierung : Resolutionen des Wiener Gemeinderates v. 12.2.1917 und v. 6.2.1918 ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1359, 7404/1918 ; ebd., Kt. 1359, 8563/1918 ; ebd., Kt. 1359, 9055/1918 ; ebd., Kt. 1359, 9947/1918. 52 Interpellation der Abgeordneten Korosec, Rogacnik, Jankovic und Genossen v. 10.11.1917, Beantwor- tung v. 24.3.1918 ; ebd., Kt. 1359, 8869/1918.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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