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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 185 -
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185Reorganisation 1918 daran, Verwaltungsstrukturen zu schaffen, wie sie Eger und Marschner im Mai des Vorjahres bereits vorgeschlagen hatten  – und zwar unter ausdrücklichem Rückgriff auf deren Expertise. Hauptmann Eger wurde nach einem mündlichen Vortrag beim Sozialminister Viktor Mataja gebeten, seine Gedanken auch schriftlich niederzule- gen.64 Seine bereits am 29. Jänner 1918 fertiggestellten Ausführungen kulminierten im Wesentlichen neuerlich in der Forderung, dass die Kriegsbeschädigtenfürsorge  – auf breiter Basis und unter Mitwirkung der privaten Wohltätigkeit aufgebaut  – nicht zer- splittert sein dürfe, sondern alle Aspekte der Fürsorge in einem Amt bündeln müsse. Dieses Amt dürfe trotzdem nicht den Charakter einer schwerfälligen Behörde haben, sondern solle rasch handeln können, was eine Struktur mit dezentralen Bezirksstellen am ehesten garantieren würde. Man brauche  – so Eger einmal mehr  – „in den Ländern volkstümliche Ämter, die frei von bürokratischen Hemmungen den direkten Kontakt mit der Bevölkerung herstellen“65 würden. Nun ging es Schlag auf Schlag. Schon eine Woche, nachdem Eger sein Papier im Ministerium abgegeben hatte, sprach sich eine dort anberaumte Versammlung von Vertretern der Arbeitsvermittlungsbüros einstimmig für einen engeren Zusammen- schluss zwischen den Landeskommissionen und den Landesstellen der k. k. Arbeits- vermittlung an Kriegsinvalide aus.66 Ein Erlass des Sozialministeriums setzte diesen Plan einen Monat später um und gliederte die Agenden der k. k. Arbeitsvermittlung wieder in den Aufgabenbereich der Landeskommissionen ein. Die Ausscheidung der „Arbeitsfürsorge“67 aus dem Zuständigkeitsbereich der Landeskommissionen habe sich nicht bewährt :68 64 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 3848/1918. 65 Ebd., Eger an Mataja v. 29.1.1918. Egers Vorschläge führten dazu, dass ihm bei einer neuerlichen Ein- ladung nach Wien am 16.2.1918 ein Posten im Ministerium angeboten wurde, an dem er sich laut Aktenvermerk auch interessiert zeigte. Über die definitive Entscheidung ist jedoch nichts bekannt ; ebd. Die Amtskalender geben keine Auskunft, denn der Redaktionsschluss des einen (für 1918) war schon Ende 1917, und der andere (für 1919) wurde nach dem Zusammenbruch der Monarchie noch schnell den neuen Gegebenheiten angepasst, Karl Egers Name findet sich hier nicht ; Niederösterreichischer Amts-Kalender 1919, Wien 1919. 66 Die Beratung fand am 7.2.1918 statt ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1358, 4471/1918 ; ebd., Kt. 1357, 3385/1918. 67 Erlass des MfsF v. 5.3.1918 ; K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S.  6–10, hier S.  7 ; vgl. auch AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1359, 6544/1918. 68 Die Grazer Landeskommission war die einzige, die die Arbeitsvermittlung für Kriegsinvalide gerne ganz aus der Kriegsbeschädigtenfürsorge herausgenommen hätte, weil diese ihrer Ansicht nach mit der normalen Arbeitsvermittlung Hand in Hand gehen und nicht zu ihr in Konkurrenz stehen sollte. Es habe sich nämlich gezeigt, dass 80 % der Kriegsbeschädigten auf solche Stellen vermittelt wurden, die der normalen Arbeitsvermittlung gemeldet worden waren ; ebd., Kt. 1357, 2708/1918.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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