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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 187 -
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187Reorganisation 1918 Etliche Landeskommissionen hatten die dezentrale Organisation der Kriegsbeschä- digtenfürsorge zu diesem Zeitpunkt zumindest formal bereits umgesetzt. Die bisher eingerichteten Ortsstellen waren jedoch meist Gremien ohne Exekutive geblieben. Die Tiroler Landeskommission etwa hatte schon 1916 Bezirksausschüsse eingerich- tet75 und empfahl jeder Gemeinde die Installierung einer werktätigen Vertrauensper- son, „die sich mit Fleiß und Verständnis der Invalidenfürsorge im Orte annimmt“.76 Spätestens seit Ende 1917 gab es in Tirol regelmäßig sogenannte „Invalidentage“  – In- formationsveranstaltungen, bei denen Behördenvertreter, Vertrauensmänner, Arbeit- geber und Kriegsbeschädigte zusammenkamen77  –, und 1918 veranstaltete die Tiroler Landeskommission eigene Instruktionskurse für die Leiter der Bezirksfürsorgestel- len.78 Salzburg hatte zumindest in jedem Gerichtsbezirk sogenannte Invalidenfür- sorgestellen installiert,79 und Oberösterreich  – unter Vorwegnahme des ministeriel- len Erlasses  – die Fürsorgeausschüsse der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide bereits 1917 in Bezirksfürsorgestellen der Landeskommission umgewandelt80 sowie Vertrauensmänner in fast allen Gemeinden eingesetzt.81 In Vorarlberg schließlich, wo die Organisierung der Invalidenfürsorge vom Silbernen Kreuz ausgegangen war, waren ebenfalls bereits sehr früh lokale Vertrauensmänner rekrutiert worden.82 Nur die Lan- deskommissionen der Steiermark und Niederösterreichs hatten vorerst auf die Schaf- fung von Ortsstellen verzichtet.83 Sie holten dies nun nach. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Installierung der In- validenämter in Wien und Niederösterreich. Neben dem zentralen Wiener Invaliden- amt wurden 1918 als Organe der Landeskommission insgesamt 22 Invalidenämter auf 75 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  121. 76 Ebd., S.  210. 1917 war diese Struktur bereits umgesetzt ; K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mittei- lungen, 1918, S.  14 (218). Die Landeskommission bemängelte jedoch, dass die Fürsorge sich dadurch nicht verbessert habe, weil die Ausschüsse nicht wirklich aktiv geworden waren und „es mit ein paar formellen Sitzungen genug sein ließen“ ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1361, 13776/1918, S.  1. Auch an anderer Stelle hieß es, dass die Fürsorgestellen nicht überall gut funktionierten, die Tiroler Landes- kommission gab Anfang 1918 daher extra einen Leitfaden heraus ; ebd., Kt. 1358, 5656/1918. 77 Ebd., Kt. 1361, 12630/1918. 78 Daraufhin wurden auch die übrigen Kronländer angehalten, solche Kurse zu organisieren ; ebd., Kt. 1361, 14022/1918. 79 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  93f. 80 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  283. 81 Staatsamt für soziale Verwaltung, Mitteilungen über Fürsorge für Kriegsbeschädigte, Wien 1918, S.  2 (368). 82 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1356, 1061/1918 ; ebd., Kt. 1553, Sa 14, 13340/1918, Bericht der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide, v. 31.12.1917. 83 In der Steiermark waren keine Ortsstellen eingerichtet worden, weil die Zahl der Kriegsbeschädigten angeblich zu gering gewesen war ; ebd., Kt. 1356, 1542/1918.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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